Große moralische Fragen

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stina23 Avatar

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Die Schwestern Lily und Jane erleben früh in ihrem Leben einen Schicksalsschlag. Ihre Mutter stirbt und das verändert ihre Welt natürlich. Die Mädchen werden katholisch und feministisch erzogen und wachsen in einem wissenschaftlich sehr interessierten Umfeld auf. Besonders ihre Mutter ist ein großes Vorbild für sie. Nach ihrem Tod schlagen die charakterlich recht unterschiedlichen Schwestern verschiedene Wege ein, bleiben einander jedoch immer sehr nah. Jane lebt und feiert ausgiebig, Lily findet Halt in ihrer Beziehung zum Highschool-Footballstar. Die beiden wollen ihr Leben, ihre Zukunft miteinander verbringen, bis zu dem einen Ereignis, das alles verändert.
Im Fokus der Geschichte steht Lily. Recht ausführlich wird ihre Kindheit in den 1970ern, die sehr von ihrer gebildeten, modernen, aufgeschlossenen und toleranten Mutter und dem katholischen Glauben geprägt ist, beschrieben. Die Verbindung dieser Aspekte lässt Lily und Jane zu selbstbewussten Menschen heranwachsen, die die Umbrüche ihrer Zeit, besonders in den Themen Feminismus und Rassismus, unterstützen. Gleichzeitig stellt sich Lily, im Gegensatz zu ihrer freiheitsliebenden Schwester, eine Zukunft in der Ehe mit ihrem Freund vor. Als Lilys Welt nach einem Unfall zum zweiten Mal zusammenbricht, muss sie die Beziehung zu dem Jungen abschließen und hinter sich lassen. Die Anziehung, die zwischen den beiden bestanden hat, kann die Zeit jedoch nicht auflösen. Obwohl Lily in einer anderen Beziehung glücklich ist, lassen sie die Gedanken und Gefühle an ihre erste Liebe nicht los.
In kleineren und größeren Zeitsprüngen führt die Autorin durch Lilys Leben. Dabei fängt sie die sozialen Lebensumstände der verschiedenen Jahrzehnte gut ein. Sehr realistisch schreibt sie über die Veränderungen, die die Gesellschaft aber vor allem Lily und Jane durchmachen. Die großen Fragen, die sich stellen, sind moralische und handeln unter anderem von Schuld, Treue und Vergebung.
Die Geschichte hat mich durch ihre Tiefe und ihren Realismus überzeugt. Die dadurch mitschwingende Schwere ist für mich persönlich der einzige Makel.