Lebenswege

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hoelzchen Avatar

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Über viele Jahrzehnte begleiten wir Lily Webb. Ihre jüngere Schwester Jane und sie wachsen bei liebevollen und liberalen Eltern auf. Diese Erziehung wird sie ihr Leben lang begleiten. Die Mutter der Kinder stirbt bereits früh an Krebs, die Mädchen stehen gerade am Beginn der Pubertät und könnten den Rückhalt der Mutter so sehr gebrauchen. In der Schule hat Lily einen Freund, ihre Beziehung festigt sich und sie lieben sich sehr. Den ganzen Roman über hindurch, wird kein Name genannt. Er ist einfach nur „der Junge“. Die beiden sind füreinander gemacht, sie planen ein gemeinsames Leben, sprechen von Heirat. Bis es auf einer Party zu einem schrecklichen Vorfall kommt. Lily hat keine Erinnerungen an diesen Abend, sie war stark alkoholisiert. Der Junge muss die Konsequenzen tragen und verbringt viele Jahre im Gefängnis. Das Opfer überlebt mit bleibenden Schäden. Lilys Leben geht weiter. Sie lernt einen älteren Mann kennen, heiratet ihn und führt ein glückliches Leben. Die Jahre vergehen, doch immer wieder kehren ihre Gedanken an den Jungen zurück. Dann, nach vielen Jahren, kommt es zu einem ersten Treffen mit dem Jungen. Die Gefühle stellen sich auf beiden Seiten wieder ein, Lily zweifelt, soll sie ihre Ehe aufs Spiel setzten und mit dem Jungen ein neues Leben beginnen? Kann man zwei Männer lieben? Lily bleibt bei ihrem Mann, doch sporadisch bleibt sie mit den Jungen in Kontakt. Dann nehmen weitere Einschläge ihren Lauf und plötzlich hat Lily Erinnerungen an den Partyabend, der alles veränderte und diese Erkenntnis trifft sie mit voller Wucht. Was für ein beeindruckender Roman, doch ich bin ehrlich, nicht von Beginn an. Es braucht ein bisschen, bis die Geschichte an Fahrt aufnimmt und mich in ihren Bann gezogen hat. Wem es ähnlich gehen sollte, bitte dranbleiben, es lohnt sich. Der Wendepunkt stellt sich mit dem Tod der Mutter ein. Selten kommen mir bei einer Lektüre die Tränen, aber von da an, gab es immer wieder Momente, die mich sehr berührt haben. Lilys Gedanken, ihre Gefühle, ihre Zweifel, alle Emotionen werden so eindrucksvoll und authentisch geschildert, dass es mich fast zerriss. Und immer wieder die Erkenntnis, Entscheidungen die wir treffen, können den Verlauf unseres gesamten Lebens beeinflussen. Ereignisse lassen sich nicht rückgängig machen, wir müssen damit leben. Aber wir Menschen sind keine Berge, wir sind nicht statisch, wir können aufeinander zugehen und begegnen. Der Junge hat das verstanden, er handelt danach. Auch Vergebung gehört dazu, sie macht das Leben leichter. Dieser Roman wird noch lange in mir nachhallen und ich geben sehr gerne eine Empfehlung.
Das Hörbuch wurde von Sandrine Mittelstädt eingelesen. Eine Sprecherin, die ich sehr zu schätzen weiß und die mit ihrer Stimme diesen Roman die nötige Emotionalität, Kraft und Vielschichtigkeit gibt.