Schuld, Erinnerung und das, was bleibt

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annnnnnna Avatar

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Manche Geschichten lassen sich nicht einfach erzählen. Und dieses Buch gehört genau dazu.

Im Zentrum steht Lily. Tochter, Schwester, später Ehefrau. Und immer auch jemand, der mit sich selbst ringt. Was als Rückblick in eine Jugend in den späten sechziger und siebziger Jahren beginnt, wird zu einer Geschichte über Verlust, Schuld und leiser Brüche.

Ein behütetes Elternhaus, der frühe Tod der Mutter, ein überforderter Vater und eine Schwester, die sich in Alkohol und Drogen verliert. Jane, hochbegabt und zugleich verloren, wird dabei zum stillen Gegenpol zu Lily. Lily selbst bleibt lange die, die funktioniert. Wahrscheinlich um selbst zu überleben. Bis die Vergangenheit sie einholt und alles verschiebt.

Ein „Junge“, der namenlos bleibt, wird zum Mittelpunkt von Erinnerung, Schuld und einer Verbindung, die sich nie ganz löst. Vielleicht, weil ein Name alles zu konkret machen würde. Vielleicht auch, weil Erinnerungen manchmal nur so auszuhalten sind.

Der Vater bleibt bemüht, aber fern. Marshall ist später ein Versuch von Stabilität. Und doch bleibt in Lily etwas unruhig und unabgeschlossen.

Die Geschichte springt durch die Jahre, folgt keinem klassischen Spannungsbogen, sondern eher den inneren Bewegungen ihrer Figuren. Dabei bleibt die Erzählstimme auf eine ganz eigene Weise distanziert und schafft es dennoch, Nähe entstehen zu lassen.

Was bleibt, sind keine klaren Antworten.
 Sondern ein Gefühl von Schwere, von Nachdenken, sowie die Erkenntnis, dass sich nicht alles erklären lässt.

Gibt es Gesetze für Liebe und Logik?
 Vielleicht. Aber sie stehen in keinem Buch. Die Logik ordnet, erklärt, sucht nach Halt.
Die Liebe stolpert, zweifelt und glaubt trotzdem. Vielleicht ist das ihr einziges gemeinsames Gesetz: Dass beides seinen Platz haben darf. Und dass wir am meisten wir selbst sind, wenn wir nicht wählen müssen.