Vom Festhalten und Loslassen

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dagmee Avatar

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Ich habe dieses Buch an einem Wochenende gelesen – oder eher: inhaliert. Kaum angefangen, war ich auch schon mittendrin in Lilys Leben, und ehe ich mich versah, hatte ich die letzte Seite erreicht. Es liest sich unglaublich flüssig, fast wie ein leiser Sog, dem man sich schwer entziehen kann.

Was mich besonders fasziniert hat, ist die große Zeitspanne, über die sich die Geschichte erstreckt. Man begleitet Lily durch verschiedene Lebensphasen, erlebt ihre Zerrissenheit zwischen ihrer Jugendliebe an der Ostküste und ihrem späteren Leben mit Marshall. Dieses Spannungsfeld aus Loyalität, unausgesprochenen Gefühlen und unterschwelligen Schuldfragen ist fein gezeichnet und emotional durchaus berührend.

Gleichzeitig gab es für mich zwei Punkte, die das Leseerlebnis leicht getrübt haben. Durch die vielen Jahre, die erzählt werden, verliert die Geschichte zwischendurch ein wenig an Tempo. Es gibt Passagen, in denen ich mir gewünscht hätte, dass die Handlung etwas verdichtet wird – dass mehr passiert oder zumindest schneller auf den Punkt erzählt wird.

Und dann ist da noch „der Junge“. Diese durchgehende Bezeichnung hat mich irgendwann mehr irritiert als stilistisch überzeugt. Ohne Namen oder eine greifbarere Identität blieb er für mich seltsam distanziert, fast schemenhaft – was schade ist, weil gerade diese Figur emotional so zentral ist.

Was ich aber unbedingt noch erwähnen möchte: Das Cover hat mir richtig gut gefallen. Es passt unglaublich stimmig zur Atmosphäre der Geschichte und fängt diese leise, melancholische Grundstimmung sehr schön ein – für mich ein echter Pluspunkt.

Mein Fazit: Ein ruhiger, stimmungsvoller Roman, der sich angenehm lesen lässt und vor allem durch seine emotionale Tiefe punktet. Nicht perfekt im Tempo und in manchen Details etwas eigenwillig, aber insgesamt eine schöne, schicksalhafte Lebensgeschichte für alle, die sich gern in langen, leisen Erzählungen verlieren.