Wenn Liebe keine Antworten kennt

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yvonnchen Avatar

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Das Cover in gedeckten Brauntönen mit zwei Händen, die sich halten, ist stimmig und passt zur Grundstimmung des Buches – ruhig, ein bisschen nostalgisch. Manche finden's altbacken, ich finde es ehrlich.
Die Geschichte begleitet Lily über fünf Jahrzehnte: erste große Liebe, Partynacht, die alles zerstört, zweite Liebe und immer wieder dieser eine Mann, der namenlos bleibt und nur "der Junge" heißt. Das ist ein interessantes Stilmittel, das polarisiert – entweder man findet's poetisch oder schlicht nervig. Ich bin noch am Überlegen.
Der Schreibstil ist leise und ruhig, manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu ruhig. Es gibt Passagen, die sich ewig hinziehen, und die naturwissenschaftlichen Exkurse rund um Marshalls Ornithologen-Dasein können auch mal bremsen. Wer's schnell mag, ist hier falsch.
Die Figuren sind echt gut: Lily wirkt total authentisch, und Jane als die etwas impulsivere Schwester macht einen schönen Kontrast. Keine Pappaufsteller.
Was das Buch so interessant macht: Debra Curtis ist emeritierte Anthropologie-Professorin – und das merkt man. Sie schaut auf Menschen mit analytischem Blick, ohne dabei kalt zu werden. Für einen Debütroman ist das echt super.
Das Buch ist echt gut. Es ist kein Buch, das einen nur so von der ersten bis zur letzten Seite auf Trab hält, aber es ist eines, das man nicht mehr aus der Hand legen möchte.