Alte Mythen, rauer Torf und ein vertrauter Sog

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roswitha-böhm-gedankenteiler Avatar

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Die Skepsis war riesig: Ich liebe den Artus-Mythos seit Ewigkeiten, aber die letzte Neuerzählung war derart belanglos und zäh, dass ich mich vor dem Aufschlagen ernsthaft gefragt habe, ob die Welt wirklich noch eine Version dieser Sage braucht. Man kennt die Stationen doch im Schlaf – das Schwert, die Tafelrunde, Merlin, das unvermeidliche Verhängnis. Und doch muss ich nach diesen ersten Seiten ehrlich zugeben: Sabrina Qunaj hat mich eiskalt erwischt.

Das liegt vor allem an der Perspektive: Statt den hundertsten heroischen Ritt eines strahlenden Ritters aufzutischen, holt sie uns ganz unten ab – bei der sechzehnjährigen Nimue, der späteren Herrin vom See, die hier noch die rußverschmierte Tochter eines einfachen Waffenschmieds ist. Dieses Setting im frühmittelalterlichen Britannien des Jahres 506 riecht nach feuchtem Schilf, kaltem Höhlengestein, zischendem Schmiedefeuer und altem römischen Mauerwerk. Es ist erdig, ungeschönt und historisch spürbar greifbar, ohne sich in verklärtem Fantasy-Kitsch zu verlieren.

Auch die Figurenkonstellation funktioniert auf Anhieb: Arthur ist hier noch ein dreizehnjähriger Junge mit Schalk im Nacken und Grübchen, der mit seinem Bruder Kay und Nimue durch die Höhlen tollt. Diese kindliche Unbeschwertheit und das Versprechen, einander für immer zu beschützen, bekommt durch Nimues quälende Visionen und die bedrückende Ausgrenzung im Dorf sofort eine tragische Fallhöhe.

Und dann dieser Auftritt im Nebel: Merlin platzt nicht als weiser, weißbärtiger Märchenonkel herein, sondern als abgemagerter, unheimlicher Schatten mit brennendem Blick und eiskalten Fingern, der Nimue für einen Wassergeist hält und das Gefüge ihrer kleinen Welt mit wenigen Sätzen einreißt.

Sicherlich schwebt die Gefahr mit, dass die Geschichte später doch noch in ausgelutschte Pfade abdriftet. Aber dieser düstere, atmosphärisch dichte Auftakt beweist, dass in diesem uralten Mythos verdammt viel Leben steckt, wenn man ihn mit der richtigen Wucht erzählt. Eine echte Überraschung, die meine Skepsis erst einmal komplett weggeblasen hat!