Ein überraschendes Lesehighlight

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susiundstrolch Avatar

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Die Herrin vom See – Schatten über Avalon“ von Sabrina Qunaj hat mich unglaublich überrascht. Bisher habe ich kaum historische Romane gelesen, weshalb dieses Genre für mich noch ziemlich neu war. Entsprechend gespannt war ich, ob mir die Geschichte überhaupt gefallen würde. Dass sie mich am Ende so begeistern würde, hätte ich allerdings nicht erwartet.
Diese Version der Artussage wird aus der Sicht von Nimue erzählt, einer Kindheitsfreundin von Arthur. Man begleitet sie von ihrer Jugend an und lernt sie zunächst als Tochter eines einfachen Waffenschmieds kennen. Zu Beginn ist Nimue ein eher unsicherer Charakter, der häufig an sich selbst zweifelt und noch kaum Zugang zu seiner Gabe als Seherin hat. Im Laufe der Geschichte entwickelt sie immer mehr Selbstvertrauen, auch wenn ihre Zweifel nie ganz verschwinden und sie ihre Fähigkeiten längst nicht immer kontrollieren kann.
Gerade das hat mir an Nimue aber besonders gut gefallen. Sie ist keine übermächtige, außergewöhnlich begabte Protagonistin, die ihre Kontrahenten stets besiegt, wie man es aus manchen Fantasyromanen kennt. Stattdessen macht sie Fehler, zweifelt an ihren Entscheidungen und wächst an ihren Erfahrungen. Dadurch wirkte sie auf mich unglaublich menschlich und nahbar. Ich konnte ihre Gedanken und Entscheidungen fast immer nachvollziehen und habe es sehr genossen, die Geschichte durch ihre Augen zu erleben.

Auch das historische Setting hat mich begeistert. Die Konflikte zwischen den Anhängern des alten Glaubens und dem aufkommenden Christentum, aber auch die gesellschaftlichen Hierarchien und die teilweise harten Lebensumstände dieser Zeit, fand ich sehr interessant. All das ist wunderbar in die Handlung eingebunden und hat für mich einen großen Teil der Faszination ausgemacht.

Ich habe dieses Buch regelrecht verschlungen. Der Schreibstil ist angenehm, flüssig und leicht zu lesen, ohne dabei jemals platt oder kitschig zu wirken. Obwohl zahlreiche Charaktere vorkommen und die Handlung durchaus komplex ist, hatte ich nie Schwierigkeiten, dem Geschehen zu folgen.

Für mich ist es außerdem das perfekte Herbst- und Winterbuch, mit dem man viele spannende Lesestunden verbringen kann. Allerdings sollte man die Triggerwarnung zu Beginn unbedingt ernst nehmen. Einige Szenen sind in ihrer Brutalität und Explizitheit wirklich heftig und haben mich stellenweise ziemlich mitgenommen.

Insgesamt hat mich schon lange kein Buch mehr so sehr in seinen Bann gezogen wie dieses. Ich konnte es teilweise kaum aus der Hand legen und war richtig traurig, als ich die letzte Seite erreicht hatte. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung und ich freue mich schon riesig auf den zweiten Band!