Eine Mythos mit Perspektivwechsel

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corbinian Avatar

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Es gibt, so glaube ich, niemanden, der die Legende um König Artus (mit allen Schreibweisen), Merlin und Morgana nicht kennt. Ich hatte als Kind ein Buch zur Legende mit vielen Bildern, habe später Filme und Serien zum Thema gesehen und natürlich Marion Zimmer Bradley gelesen. Im Studium beschäftigte ich mich in einem Seminar mit Thomas Malorys Le Morte Darthur aus dem 15. Jahrhundert. Danach hatte ich das Thema, mit einigen Ausnahmen durch Erwähnungen in Spielen und als Nebenfiguren in anderen Büchern, beiseitegeschoben.

Ein neuer Blick auf die Geschichte durch Sabrina Qunaj hat mich dann aber doch überzeugt und ich habe mich mit dem ersten Band der Chroniken von Avalon, Die Herrin vom See - Schatten über Avalon beschäftigt. Dort wird die Geschichte aus Sicht von Nimue, als weibliche Neuerzählung, angeboten. Erschienen ist das Buch Anfang Oktober beim Aufbau Verlag.

Das Buch
Wie bereits geschrieben, wird die Geschichte aus der Sicht von Nimue erzählt. Im Britannien des Jahres 506 verbringt sie ihre Jugend zusammen mit Arthur als Tochter eines Waffenschmieds an einem großen See. Ihre friedliche Welt gerät jedoch aus den Fugen, als der Druide Merlin sie als Teil einer düsteren Prophezeiung identifiziert. Sie besitzt eine geheimnisvolle Fähigkeit, die sowohl Schutz als auch Gefahr bedeutet. Hin- und hergerissen zwischen alten Mächten, neuen Glaubensrichtungen, Treue und dem Drang nach Freiheit, wird Nimue zu einer entscheidenden Wegbegleiterin für Arthurs Aufstieg zu einem mächtigen König. Gleichzeitig muss sie ihren Platz in einer männlich dominierten Welt finden und behaupten.

Handwerkliches
Im Buch erleben wir die bekannte Geschichte mit leichten Änderungen, um Nimue mehr Handlungsspielraum zu bieten, schließlich ist sie die Protagonistin. Dabei erfahren wir vieles über Arthur nicht aus erster Hand, sondern auch aus Berichten und so nebenbei. So muss das sein, wenn es primär um eine Frau und nicht um die Männer geht. Das Buch zeigt deutlich das Frauenbild der Zeit. Dieses Bild führt aber zur Selbstbemächtigung Nimues und bieten daneben Verluste und Leidenschaft. Es ist fesselnd geschrieben mit vielen Spannungsbögen. Ein wirklich gelungener Auftakt für eine Reihe.

Fazit
Sabrina Qunaj gelingt mit Die Herrin vom See – Schatten über Avalon ein fesselnder Auftakt, der die jahrhundertealte Artussage durch den Perspektivwechsel auf Nimue wunderbar entstaubt. Die gelungene Mischung aus historischem Setting, einem realistischen, von Unterdrückung geprägten Frauenbild und moderner Selbstbemächtigung macht den Roman zu einer packenden Lektüre. Eine Lektüre die den Bogen von klassischen Mythen zu einer zeitgemäßen Erzählweise schlägt.