Im Kampf gegen die Prophezeiung
„Die Herrin vom See“ von Sabrina Qunaj, erschienen 2026 bei atb, ist ein gelungener historischer Roman zum Artus-Epos, der ungewöhnlich die Seherin Nimue ins Zentrum des Geschehens stellt. Ein großes Shout-Out an das optische Design des Buches, sehr schöne Farben, ein toller Farbschnitt, Karten im Innencover, Dramatis Personae, Genealogie, Contentwarnung, gute Papierwahl – hier fehlt wirklich nichts für ein von hinten bis vorn gelungenes Leseerlebnis, und auch ein einordnendes Nachwort ist vorhanden. Das erzeugt doch direkt Glücksgefühle.
Nimue wächst als Tochter des Schmiedes Morcant map Gurgust in Galava auf. Schon von Kind an hat sie Visionen und rettet damit einmal das gesamte Dorf, weil sie den über die Ufer tretenden See voraussieht. Sie hat eine enge Bindung zu Kay und Arthur, den Söhnen von Ector, dem Herrn von Galava, die, anders als Nimue, auf dem Kastell leben. Trotz ihres Standesunterschiedes sind die drei unzertrennlich. Ein einfaches, aber friedliches Leben – bis eines Tages der Magier Merlin bei Morcant in der Schmiede steht, um diesem den Auftrag für ein ganz besonderes Schwert zu geben: Excalibur. Als sein Blick auf Nimue fällt, erkennt er in ihr die Frau, die er in seinen Visionen gesehen hat: Die Frau, die ihm Emrys, den Retter der alten Welt, gebären soll. Nimues Leben wird auf den Kopf gestellt und mit der Ruhe ist es ein für alle Mal vorbei...
Sabrina Qunaj ist eine routinierte Autorin, sie schreibt von Beginn an packend und es gelingt ihr hervorragend, die Artussage aus einer ganz neuen Perspektive, der Perspektive von Nimue, aufzurollen. Dabei lässt sie viel „Magie“ wegfallen und schreibt klar aus einer historischen Perspektive, soweit das möglich ist, handelt es sich hier doch um eine Legende, und hat den Blick auf vielen Konflikten der damaligen Zeit. Insbesondere der Kampf der Religionen, der alten Vielgötterwelt gegen das aufkommende Christentum, wird sehr lebendig und greifbar gezeichnet. Aber auch die Frage nach dem Umgang mit einer besonderen Begabung wird plastisch, auf der einen Seite Merlin, der immer mehr von den Möglichkeiten der Macht besessen ist, Visionen mit Drogen heraufbeschwört, über Leichen geht und sich immer mehr verbrennt, auf der anderen Seite Nimue, die mit ihrer Gabe hadert und sie nicht unter Kontrolle bekommt, sich bis zuletzt nicht wirklich mit ihr verbinden kann. Arthur, der viel zu junge König, rutscht hier deutlich an den Rand, die Perspektive ist klar feministisch, ohne programmatisch zu werden. Atmosphärisch extrem stark geschrieben, taucht man lesend schnell ein in die damalige Welt mit all ihrer Finsterkeit – aber auch mit enorm berührenden menschlichen Beziehungen, den Qunaj gelingt es, die Legendenfiguren heutig und psychologisch glaubhaft zu schreiben. Gibt es Bestimmung – und kann der Mensch ihr entkommen? Um diese Frage und diesen Kampf rankt sich der Roman, der der erste Teil eines Zweiteilers ist, sich aber relativ abgeschlossen lesen lässt.
Einziger großer Kritikpunkt: Der Titel ist leider Etikettenschwindel. Avalon taucht erst nach zwei Dritteln des Buches auf und auch dann ist es nur Kulissen und Aufenthaltsort, wir erfahren eigentlich nichts über diesen Ort und die dort stattfindenden Riten und Ausbildungswege. Das ist sehr schade. Nachvollziehbar dem Wunsch, einen historischen Roman und nicht Fantasy zu schreiben geschuldet, wäre hier eine andere Titelwahl dann aber die richtige Maßnahme gewesen. So entsteht eine Erwartungshaltung, die der Roman dann nicht erfüllt – was dem Lesen unter Umständen nicht guttut, ich zumindest fand es schade. Ansonsten aber ein rundes Leseerlebnis mit sehr starken Frauenfiguren, wie immer bei Qunaj, den zweiten Band werde ich auf jeden Fall lesen!
Ein großes Dankeschön an vorablesen.de und aufbau taschenbuch für das Rezensionsexemplar!
Nimue wächst als Tochter des Schmiedes Morcant map Gurgust in Galava auf. Schon von Kind an hat sie Visionen und rettet damit einmal das gesamte Dorf, weil sie den über die Ufer tretenden See voraussieht. Sie hat eine enge Bindung zu Kay und Arthur, den Söhnen von Ector, dem Herrn von Galava, die, anders als Nimue, auf dem Kastell leben. Trotz ihres Standesunterschiedes sind die drei unzertrennlich. Ein einfaches, aber friedliches Leben – bis eines Tages der Magier Merlin bei Morcant in der Schmiede steht, um diesem den Auftrag für ein ganz besonderes Schwert zu geben: Excalibur. Als sein Blick auf Nimue fällt, erkennt er in ihr die Frau, die er in seinen Visionen gesehen hat: Die Frau, die ihm Emrys, den Retter der alten Welt, gebären soll. Nimues Leben wird auf den Kopf gestellt und mit der Ruhe ist es ein für alle Mal vorbei...
Sabrina Qunaj ist eine routinierte Autorin, sie schreibt von Beginn an packend und es gelingt ihr hervorragend, die Artussage aus einer ganz neuen Perspektive, der Perspektive von Nimue, aufzurollen. Dabei lässt sie viel „Magie“ wegfallen und schreibt klar aus einer historischen Perspektive, soweit das möglich ist, handelt es sich hier doch um eine Legende, und hat den Blick auf vielen Konflikten der damaligen Zeit. Insbesondere der Kampf der Religionen, der alten Vielgötterwelt gegen das aufkommende Christentum, wird sehr lebendig und greifbar gezeichnet. Aber auch die Frage nach dem Umgang mit einer besonderen Begabung wird plastisch, auf der einen Seite Merlin, der immer mehr von den Möglichkeiten der Macht besessen ist, Visionen mit Drogen heraufbeschwört, über Leichen geht und sich immer mehr verbrennt, auf der anderen Seite Nimue, die mit ihrer Gabe hadert und sie nicht unter Kontrolle bekommt, sich bis zuletzt nicht wirklich mit ihr verbinden kann. Arthur, der viel zu junge König, rutscht hier deutlich an den Rand, die Perspektive ist klar feministisch, ohne programmatisch zu werden. Atmosphärisch extrem stark geschrieben, taucht man lesend schnell ein in die damalige Welt mit all ihrer Finsterkeit – aber auch mit enorm berührenden menschlichen Beziehungen, den Qunaj gelingt es, die Legendenfiguren heutig und psychologisch glaubhaft zu schreiben. Gibt es Bestimmung – und kann der Mensch ihr entkommen? Um diese Frage und diesen Kampf rankt sich der Roman, der der erste Teil eines Zweiteilers ist, sich aber relativ abgeschlossen lesen lässt.
Einziger großer Kritikpunkt: Der Titel ist leider Etikettenschwindel. Avalon taucht erst nach zwei Dritteln des Buches auf und auch dann ist es nur Kulissen und Aufenthaltsort, wir erfahren eigentlich nichts über diesen Ort und die dort stattfindenden Riten und Ausbildungswege. Das ist sehr schade. Nachvollziehbar dem Wunsch, einen historischen Roman und nicht Fantasy zu schreiben geschuldet, wäre hier eine andere Titelwahl dann aber die richtige Maßnahme gewesen. So entsteht eine Erwartungshaltung, die der Roman dann nicht erfüllt – was dem Lesen unter Umständen nicht guttut, ich zumindest fand es schade. Ansonsten aber ein rundes Leseerlebnis mit sehr starken Frauenfiguren, wie immer bei Qunaj, den zweiten Band werde ich auf jeden Fall lesen!
Ein großes Dankeschön an vorablesen.de und aufbau taschenbuch für das Rezensionsexemplar!