Liebevoll gemacht und magisch erzählt – mit Momenten, die leuchten, und Stellen, die offen bleiben

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lotta82 Avatar

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„Die Hexen vom Honeysuckle House“ ist ein Buch, das sich schon beim ersten Aufschlagen wie ein kleines Kunstobjekt anfühlt. Farbschnitt, Illustrationen, die warmen Farben und die liebevolle Gestaltung schaffen eine Atmosphäre, die sofort in eine magisch-herbstliche Welt zieht. Diese äußere Schönheit ist zweifellos ein Highlight und macht das Buch zu einem Blickfang, der Lust auf die Geschichte dahinter weckt.

Beim Lesen merkte ich jedoch, dass mir der Zugang zu manchen Figuren nicht ganz leicht fiel. Die Vielzahl an Charakteren, die unterschiedlichen Perspektiven und die Zeitebenen verlangten von mir immer wieder ein inneres Sortieren. Manche Figuren, insbesondere Regina und Linda, blieben für mich lange Zeit eher schemenhaft – und das, obwohl sie der Kern des Fluchs sind. Es fühlte sich an, als hätte ich sie nur im Augenwinkel gesehen, ohne wirklich bei ihnen ankommen zu können. Mit dem Nachwort der Autorin kann ich vermuten, dass diese Unschärfe ihrem inneren Kern und ihrer Wunde entspricht. Dennoch blieb der emotionale Zugang für mich schwer greifbar, was ich schade finde.

Inhaltlich möchte der Roman sehr viel: Familienfluch, Trauma, Magie, Schwesternbeziehungen, queere Liebesgeschichten, ein lebendiges Haus, ein Buchladen, der mehr ist als ein Ort — all das hat Potenzial und ist für sich genommen spannend. Doch in der Summe wirkte es auf mich etwas überfrachtet. Einige Themen wurden mehrfach gestreift, andere nur kurz angerissen, sodass ich mir mehr Fokus und mehr Raum für die Entwicklung gewünscht hätte. Tatsächlich hätte das Buch für mich sogar länger sein dürfen, um all die Ideen und Zeitebenen klarer zu entfalten und den Figuren, die noch mehr Raum verdient hätten – wie Owen, Angela oder Tillie – zusätzliche Tiefe zu geben.

Sehr positiv hervorheben möchte ich das wiederkehrende Stilmittel der Tarotkarten und ihre Auslegung. In diesen Szenen merkt man, dass hier jemand wirklich mit der Materie vertraut ist: Die Karten werden nicht nur als dekoratives Element eingesetzt, sondern ihre Bedeutung wird stimmig, respektvoll und atmosphärisch in die Handlung verwoben – insbesondere der kontextabhängige Interpretationsspielraum, der immer mitschwingt. Für mich waren das die Momente, in denen die Magie des Buches besonders greifbar wurde.

Insgesamt bleibt für mich ein Roman, der viel Atmosphäre und einige sehr schöne Ideen bietet, aber nicht ganz die Klarheit und Tiefe erreicht, die ich mir gewünscht hätte. Die Gestaltung ist ein Traum, die magischen Elemente haben Charme, und einzelne Figuren bleiben im Gedächtnis. Doch die Fülle an Themen und Perspektiven nimmt der Geschichte etwas von ihrer Kraft.

Für mich ist es eine stille, atmosphärische 4‑Sterne‑Lektüre: liebevoll gestaltet, mit magischen Momenten, die wirklich leuchten — auch wenn die Geschichte nicht überall die Tiefe und Klarheit erreicht, die sie hätte haben können.