Wunderschön verpackt, aber leider nicht ganz ausgereift

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lisalein97 Avatar

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**Inhalt:**
In "Die Hexen vom Honeysuckle House" geht es um die Schwestern Florence und Evie, die mit einem alten Familienfluch zu kämpfen haben, der alle 13 Jahre ein Todesopfer fordert. Während die Vergangenheit der Familie Stück für Stück ans Licht kommt, versuchen die beiden herauszufinden, was wirklich hinter dem Fluch steckt.

**Themen & Tropes:**
🧙 Hexen & Magie
🏡 Magische Häuser/Magische Buchhandlung
👭 Schwestern & Familie
🔮 Tarot & Kerzenmagie
🌈 LGBTQIA+
🏘️ Small Town
🔎 Cosy Mystery
📜 Familiengeheimnis
💬 Miscommunication
💛 Freundschaft & Zusammenhalt

**Triggerwarnungen:**
PTBS, häusliche Gewalt, psychische und physische Gewalt, Gewalt gegenüber Kindern, Mord und Tod, Hass, Verlust und Trauer, LGBTQ-Themen

**Meine Meinung:**
Ich durfte das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar lesen – meine Meinung wurde dadurch aber natürlich nicht beeinflusst.

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Dieses Buch ist wunderschön! 😍 Der Schutzumschlag, die farbigen Buchkanten, die kleinen Bienen und sogar das Schlüsselloch auf dem Farbschnitt – alles passt unglaublich gut zu Geschichte und Atmosphäre. Das ist wirklich eines dieser Bücher, die man einfach gerne im Regal stehen hat. Zusätzlich wird eine toll gestaltete Tarotkarte mitgeliefert, die man als Lesezeichen nutzen kann.

Und auch die Geschichte selbst hat eigentlich vieles, was ich richtig gerne mag. Eine kleine Stadt, Hexen, Familiengeheimnisse, ein altes Mysterium und mehrere Zeitebenen, bei denen man nach und nach herausfindet, was in der Vergangenheit passiert ist? Ja bitte!

Besonders gut gefallen haben mir die magischen Häuser. Ich finde es total niedlich, dass die Häuser ihre Hexen quasi von klein auf kennen und genau wissen, was sie brauchen. Die Buchhandlung zum Beispiel sucht einem einfach das passende Buch aus dem Regal heraus, wenn man den Laden betritt. Auch das Schild oder die Dekoration im Schaufenster kann sich verändern – einfach weil das Haus selbst mitdenkt. 🥹 Das ist wirklich eine richtig schöne Idee. Teilweise hatte ich fast das Gefühl, dass die Häuser mehr Persönlichkeit und Charme hatten als die Hexen selbst.
Manchmal helfen die Häuser und liefern genau den entscheidenden Hinweis, den die Protagonisten gerade brauchen. Dann müssen sie ein Mysterium plötzlich nicht mehr selbst lösen. An anderen Stellen helfen die Häuser dann wieder nicht. Dadurch hatte ich gelegentlich den Eindruck, dass sie genau dann Informationen liefern, wenn die Handlung gerade einen kleinen Schubs braucht.

Sehr interessant fand ich auch die Magie. Sie funktioniert nicht über klassische Zaubersprüche und Zauberstäbe, sondern über Tarotkarten und Kerzen, in die eine bestimmte Intention gelegt wird. Das fand ich kreativ und deutlich interessanter als ein klassisches „Abrakadabra und fertig“-Magiesystem. 🔮🕯️

Mit dem Tarotkarten-Aspekt konnte ich dennoch leider nicht besonders viel anfangen. Ein großer Teil des Konflikts zwischen Florence und Evie basiert darauf, dass sie die Karten unterschiedlich interpretieren. Und genau da habe ich mich irgendwann immer häufiger gefragt: Warum legen wir eigentlich ständig diese Karten, wenn es am Ende sowieso alles bedeuten kann und uns nicht wirklich weiter hilft? Dadurch hat mir irgendwann die Klarheit gefehlt, warum die Figuren daraus überhaupt Antworten oder Orientierung erwarten.

Auch mit den Charakteren hatte ich leider meine Schwierigkeiten. Die beiden Schwestern wirkten auf mich teilweise ziemlich eindimensional, weil ihre Handlungen sehr stark über ihre jeweiligen Grundzüge erklärt werden: Florence möchte ihre Magie unbedingt für etwas Gutes einsetzen, während Evie Angst vor der Magie und dem Fluch hat und sich deshalb eher zurückzieht. Dadurch konnte ich zu den beiden leider nicht die große Verbindung aufbauen. Auch einige andere Figuren fand ich eher anstrengend – die Tochter mochte ich dagegen sehr.

Die Tochter ist für mich sowieso ein kleiner heimlicher Star der Geschichte. 🥹 Sie ist unglaublich süß, kümmert sich um ihre Familie und wirkt gleichzeitig überraschend mächtig. Teilweise war für mich aber überhaupt nicht klar, wie alt sie eigentlich sein soll. An manchen Stellen verhält sie sich sehr kindlich und an anderen plötzlich ausgesprochen erwachsen.

Ich mochte besonders, dass die Geschichte nur über wenige Tage hinweg spielt und sich auf einen relativ kleinen Schauplatz konzentriert. Ich mag solche überschaubaren Geschichten sehr gerne. Allerdings hatte ich trotzdem nicht wirklich das Gefühl eines Kleinstadt-Settings. Die Charaktere bewegen sich zwar durch Burdock Creek und besuchen verschiedene Geschäfte und Orte, aber man lernt die Stadt selbst kaum kennen. Die anderen Bewohner bleiben größtenteils außen vor und auch die einzelnen Orte bekommen wenig eigenes Leben. Dadurch hat mir ein bisschen dieses typische „Ich kenne hier jeden und jeder kennt jeden“-Kleinstadtgefühl gefehlt.

Der zentrale Konflikt ist für mich außerdem etwas schwierig, weil er im Grunde stark auf einem Missverständnis beziehungsweise mangelnder Kommunikation beruht. Bei diesem Trope bin ich leider raus. Ich kann es einfach nicht leiden, wenn man beim Lesen irgendwann denkt: „Leute. Setzt euch hin. Redet fünf Minuten miteinander. FÜNF.“

Trotz all dieser Kritik fand ich die Geschichte grundsätzlich süß. Ich mochte das kleine Mysterium, die verschiedenen Zeitebenen und die Idee, gemeinsam mit den Charakteren Stück für Stück herauszufinden, was hinter dem Familienfluch steckt. Auch die Themen Familie und Freundschaft spielen eine schöne Rolle.

Nur leider hatte ich am Ende das Gefühl, dass in dieser Geschichte mehr Potenzial steckt, als tatsächlich ausgeschöpft wurde. Die Grundidee ist toll, das Magiesystem gefällt mir, das Setting ist eigentlich genau mein Ding – aber die Charaktere und die Handlung waren für mich einfach nicht tief genug ausgearbeitet.