Wie menschlich im Grunde

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yasemin kaplan Avatar

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Von Jane Goodall hatte ich zuerst als Teenagerin gehört. Noch so ein Mensch, der in einer anderen Welt lebt, dachte ich da. Damals gab es irgendwie mehr von denen. Als ich kürzlich dann zufällig einen Artikel in der National Geographic zu der Forscherin und ihrem Leben “bei den Affen” las, war ich irgendwie traurig. Schade, dass ich nicht mehr hierzu wusste, dachte ich. Umso neugieriger machte mich ein Roman, der unverkennbar von Jane Goodalls Arbeit und ihrer außergewöhnlichen Beziehung zu Schimpansen inspiriert ist. Auch das Buchcover mit dem leicht nachdenklich wirkenden Tier spricht mich sofort an.

Schon bei der Einleitung des Buches wird mir bewusst, dass ich es nicht wieder zurücklegen werde. Sie lässt mich ahnen, wie viel von dem, was unser eigenes Leben betrifft, in dieser Geschichte über Schimpansen stecken könnte. Ich kann es kaum erwarten, die ersten, eigentlichen Seiten zu lesen.

Und tatsächlich beginnt alles mit Macht und Überleben. Kaum, dass das alte Alphamännchen Gaffa von seien viel zu dünnen Ast abfällt und sich tödlich verletzt, beginnt unter einigen männlichen Schimpansen der Kampf um die Thronfolge. Speziell zwischen zwei Tieren beginnt eine Rivalität, in der jedes seine eigenen Stärken und Strategien einsetzt. Wie menschlich im Grunde. Wir schmücken die Dinge oft etwas, aber die Schimpansen scheinen alles sehr unmittelbar zu leben. Das wissen die meisten von uns bereits über diese Art. Doch gibt es noch so vieles, was wir nicht wissen, mahnt John Ironmonger wieder auf eine zugleich bescheidene Art. Ich möchte jetzt alles wissen. Wie war es für eine junge Frau Anfang der sechziger Jahre, sich über gesellschaftliche Erwartungen hinwegzusetzen und jahrelang mit und unter Schimpansen zu leben? Wie viele Frauen hätten das zu dieser Zeit schon tun können? Goodall ist eine wesentliche Inspirationsquelle für den britischen Autor Ironmonger.

Im ersten Kapitel von Die Insel der Schimpansen konnte ich nicht gleich und auch nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ob mit Gaffa, Milo oder Roxy Menschen, womöglich Forscher, oder doch die Affen gemeint sind. Erst allmählich wird deutlich, dass es sich um Tiere handelt. Gerade dadurch scheint Ironmonger uns behutsam in diese fremde und gleichzeitig erstaunlich vertraute Welt hineinzuziehen.

Ich freue mich jedenfalls schon sehr darauf, weiterzulesen.