Leidenschaft gepaart mit einer Prise Unglaubwürdigkeit

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kwinsu Avatar

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Turnerin und Biologin Angel bekommt eine unglaubliche Chance: für zwei Jahre kann sie auf eine Insel in Tansania ziehen, um dort die Sprache der Schimpansen zu entschlüsseln. Doch gierige Großunternehmer setzen dem ein jähes Ende und es beginnt ein Wettstreit zwischen Gut und Böse...

Zu Beginn: der Autor hat wirklich einen sehr einnehmenden Schreibstil, ich habe fast nur positives über seine Bücher gehört, weshalb ich "Die Insel der Schimpansen" unbedingt lesen wollte. Und tatsächlich habe ich das Buch recht flott verschlungen, auch wenn ich es ab und an weglegen musste, weil ich teilweise etwas genervt war...

Die ganze Geschichte ist in einem wissenschaftlichen Setting angelegt: Angel wird von dem renommierten Primatenforscher Timothy angeworben, einerseits weil sie einen guten wissenschaftlichen Artikel veröffentlicht hatte, andererseits weil sie eine halbprofessionelle Turnerin ist und es somit für sie ein Leichtes ist, von Baum zu Baum zu schwingen. Und das tut sich auch, angekommen auf der Insel gliedert sie sich gar leicht in die Gruppe der Schimpansen ein, auch wenn sie stets das unterste Glied in der Hierarchie bleibt. Sie lernt, die Sprache der Menschenaffen zu sprechen, ab und an bekommen wir Lesenden Einblicke, mit welchen Geräuschen, Mimiken und Gesten sie funktioniert. Grundsätzlich klingt dieses System durchaus plausibel, allerdings ist mir ein wenig schleierhaft, weshalb zu Beginn des Buches mehrfach erwähnt wird, dass sie wohl alle für verrückt erklärt werden würden, sollte jemand herausfinden, dass sie an eine Sprache der Menschenaffen glauben. Wer die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahre beobachtet, stellt fest, dass bei vielen Tierarten angenommen werden kann, dass sie miteinander sprechen bzw. kommunizieren; anders als dies Menschen tun, aber doch. Die Konversationen, die im Buch in menschliche Sprache übersetzt werden, sind leider nicht sonderlich gut gelungen. Einerseits wird erklärt, dass Schimpansen keine Vorstellung von Zeit hätten, andererseits wird aber mit Zeitangaben herumgeworfen. Dann sind viele Konversationen sehr einfach gehalten, andere bestehen aus komplexen Sätzen, was das ganze sehr unglaubwürdig erscheinen lässt. Ob dies der Übersetzung ins Deutsche geschuldet ist, kann ich nicht beurteilen, jedenfalls finde ich schade, dass die an sich gute Idee hier sehr inkonsistent umgesetzt wird.

Ebenso unpassend finde ich, wie Schwarz und Weiß hier grundsätzlich Menschen gezeichnet werden. Die Investoren, die die Insel kaufen und die Wissenschaftler*innen verjagen wollen, sind einfach allesamt ungute, bösartige, selbstverliebte und herrschsüchtige Personen. Ja, solche gibt es zuhauf, trotzdem bin ich davon überzeugt, dass diese es nicht so plakativ "heraushängen" lassen wie in dieser Darstellung. Andere wiederum, wie Timothy, sind so naiv, dass es ebenfalls unglaubwürdig ist. Das ganze gipfelt dann in ein Ende, das die handelnden Figuren auf eine Art dezimiert, die mich ob ihrer Fragwürdigkeit eigentlich nur mehr genervt hat.

Ich finde es super, dass es Autoren wie John Ironmonger gibt, die versuchen, durch Unterhaltungsliteratur mit wissenschaftlichen Anspruch Menschen darauf aufmerksam zu machen, wie schützenswert Tiere bzw. die gesamte Natur sind und dass wir uns den Planeten lediglich mit ihnen teilen. Schade finde ich es aber, dass es so stereotyp und inkonsistent umgesetzt wird. Positiv hervorheben muss ich noch den Erzählstil, denn die ganze Geschichte wird von einem Erzähler geschildert, der vorgibt, sie von Angel selbst gehört zu haben. So gibt dieser auch an, wenn er sich etwas zusammenreimen musste oder wenn er über Personen recherchiert hat. Dabei greift er manchmal in der Geschichte vor und springt wieder zurück, was durchaus spannende Momente bringt.

Mein Fazit: "Die Insel der Schimpansen" ist ein kurzweiliger Unterhaltungsroman, der mit stereotypen Figuren arbeitet und einiges erklärt, dass er schlussendlich nicht halten kann. Wem es nicht stört, dass nicht alles so gut zusammenpasst, aber trotzdem Leidenschaft für die Sache und Idealismus haben will, ist hier richtig.