Atmosphärisch dicht

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
tabasc0 Avatar

Von

Dieser Roman entführt auf eine abgelegene Schäreninsel, deren Schönheit nur auf den ersten Blick beruhigend wirkt. Unter der Oberfläche lauert eine ständige Anspannung, die sich mit jeder Seite verdichtet. Mirjam reist nach Jahren des Schweigens zum 40. Geburtstag ihrer Schwester Nia – eine Entscheidung, die sie mitten in ein Geflecht aus Abhängigkeit, Manipulation und häuslicher Gewalt führt. Schon früh wird spürbar, dass auf der Insel nichts so harmonisch ist, wie Nia es darstellt, und dass die Stimmung jederzeit kippen kann.

Die Autorin verwebt Gegenwart und Rückblenden zu einem eindringlichen Porträt zweier Frauen, deren Bindung stark, aber von Verletzungen durchzogen ist. Besonders beklemmend ist die Darstellung der toxischen Beziehung, in der Nia gefangen ist: die subtilen Machtspiele, die emotionalen Schwankungen, die Momente der Angst, die sich wie ein Schatten über jede Szene legen. Elfgren zeigt ungeschönt, wie schwer es ist, sich aus einer destruktiven Partnerschaft zu lösen – selbst dann, wenn Außenstehende längst erkennen, wie gefährlich die Situation geworden ist.

Der aufziehende Sturm verstärkt die klaustrophobische Atmosphäre, bis sich äußere und innere Eskalation unweigerlich überlagern. Die Insel wird zum geschlossenen Raum, in dem es kein Ausweichen gibt, weder vor der Wahrheit noch vor den Konsequenzen. Einige Wendungen sind heftig und emotional fordernd, aber genau das macht die Geschichte so wirkungsvoll.

Ein psychologisch intensiver Roman, der tief unter die Haut geht – atmosphärisch dicht, thematisch schwer und definitiv nichts für schwache Gemüter.