Nur bedingt überzeugend
In „Die Insel meiner Schwester“ entwirft die Autorin ein vielschichtiges Porträt der Halbschwestern Mirjam und Nia. Die Geschichte beginnt mit einer dramatischen Einstiegsszene und entfaltet sich durch geschickte Zeitsprünge zwischen der gemeinsamen Jugend und der Gegenwart. Besonders die düstere Atmosphäre der Schärenlandschaft und das gelungene Cover fangen die bedrückende Stimmung des Romans perfekt ein. Das Herzstück ist die komplexe Dynamik der Schwestern, die mit toxischen Beziehungen und familiären Altlasten kämpfen. Während die psychologische Aufarbeitung häuslicher Gewalt und die detaillierte Charakterzeichnung überzeugen, wirkt die Handlung im Verlauf teilweise etwas konstruiert und vorhersehbar. Kritisch anzumerken ist zudem die sehr einseitige, negative Darstellung fast aller männlichen Figuren und der hohe Grad an dramatischen Zuspitzungen, die das Geschehen stellenweise überladen wirken lassen. Insgesamt ist es ein spannender, flüssig geschriebener Roman für Fans psychologischer Familiengeschichten, der trotz kleinerer Schwächen im Mittelteil gut unterhält.