Die Lage ist ernst, das Känguru auch

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sapere_aude Avatar

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Die Zeiten sind ernst - und ernster wird daher auch der Ton beim Känguru. Dieses lebt (immer noch oder wieder) bei Marc-Uwe in einer Art Wohngemeinschaft, aber für Geplänkel oder Scherze rund um Nirvana, Bud Spencer oder den Pinguin von nebenan bleibt keine Zeit, denn wie es um die Weltlage bestellt ist, lässt sich an vier Fingern abzählen (das Känguru macht es vor) und der daraus folgende Aufruf zur Rebellion wird zwar nicht enthusiastisch, wohl aber aktiv angenommen. Und dass sich die politische Lage seit dem ersten Band verändert und die Einordnung von Gut und Böse verschoben hat, ist nicht zuletzt daran zu bemerken, dass Teile der CDU plötzlich auf der Seite der Rebellion stehen (könnten). Denn weiter rechts ist die Bedrohung noch viel ernster und größter. Wie so oft treffen Kling und Känguru mit ihrer satirischen und bitterbösen Beschreibung den Kern der Dinge - und hier leider auch der aktuellen politischen Weltlage. Was genau die Rebellion beinhalten soll, muss jede*r für sich selbst entscheiden, Erkenntnis ist aber ein wichtiger erster Schritt. Allerdings muss wie so oft befürchtet werden, dass all diejenigen, die das Buch lesen, in ihrem politischen Urteil bestätigt werden - und die anderen ohnehin auf Tiktok bleiben. Aber vielleicht erhalten auch die Leser*innen, die bereits auf der Seite der Rebellion stehen, neues Debattenfutter. Und ja: Die Lage ist so ernst, dass hier auch nicht durchgängig gelacht werden kann und darf.