Den Boden unter den Füßen verloren

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kahabooks Avatar

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Ich schreibe dies äußerst selten, aber tatsächlich hat mich das Buch auf den ersten Seiten in den Bann gezogen. Es war so voller Leichtigkeit und doch melancholisch. Einfach schön und doch nachdenklich. Voller Liebe für Anselm und das gemeinsame Leben mit ihm und trotzdem voller Sehnsucht und Zweifel.

Und wie sich zeigte, sind diese Zweifel von Kora grundsätzlich absolut nachvollziehbar. Hat doch jeder mal im Leben einen Punkt, an dem man die Weichen noch mal komplett neu stellen könnte.
Kora, die Protagonistin in diesem Buch ist Anfang 60 und nach einer erfolgreich verlaufenen Herz-OP befindet sie sich genau an diesem Punkt. Hinzu kommt, dass ihr Arbeitgeber ihr einen Aufhebungsvertrag hat zukommen lassen und sich das Leben mit ihrem Ehemann Anselm durch seine Frührente komplett ändert. Aus einer Wochenendbeziehung wird plötzlich ein dauerhaft gemeinsames Leben.

Aber Kora steckt fest und weiß nicht, was sie will. Alles wird infrage gestellt. Soll sie ihren Freund bei der Suche nach seiner verschwundenen Frau aktiv helfen oder nicht? Soll sie Anselm mit seinem Teichprojekt unterstützen oder nicht? Soll sie die Wohnung in Berlin verkaufen oder nicht? Soll sie den Aufhebungsvertrag unterschreiben oder nicht? Nirgends wird eine klare Entscheidung getroffen. Und so kreisen und kreisen ihre Gedanken. Alles wird gedanklich durchgekaut und mehrmals hin und her gedreht. Alte Freunde und Weggefährten werden getroffen. Die Frage nach dem, was hätte sein können, wird gestellt.

Die Erzählweise ist langsam und introspektiv. Dieses Buch lebt weniger von der Handlung als vielmehr von Koras innerer Welt. So nah man ihr durch diese Innenschau und die ehrlichen Gedanken kommt, so anstrengend wird es mit der Zeit. Und irgendwann ist es ermüdend. Man möchte sagen „Kora, entscheide dich doch langsam“.

Fazit: so sehr ich es schätzte, dass eine Frau um die 60 mit ihren Zweifeln und ihrer Suche in den Mittelpunkt gestellt wird, empfand ich die Geschichte mit zunehmendem Verlauf als immer mühsamer. Die Leichtigkeit der ersten Seiten ging verloren und übrig blieb die Melancholie. Insgesamt habe ich das Buch als zu grüblerisch, ernst und schwermütig empfunden.