Ein leises, nachdenkliches Buch

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mandel61118 Avatar

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Das Cover mit dem Bildnis einer nachdenklich erscheinenden Frau gefällt mir sehr gut.
In dem Buch geht es um die ca 60jährige Kora, die nach einer Herz-OP nur schwer wieder in ihr Leben zurückfindet. Körperlich ist sie genesen, doch stellt sie alles infrage.
Ihre bisher liebevolle Beziehung mit ihrem Mann Anselm zweifelt sie an. Möchte sie überhaupt noch mit ihm leben? Wie soll es beruflich weitergehen? Der Radiosender, bei dem sie gearbeitet hat, möchte sie wegrationalisieren. Aber ist sie schon so weit, dass sie in Rente gehen möchte? Es scheint noch so viel zu geben, dass sie beruflich tun möchte.
Das Buch ist in leisen, nachdenklichen Tönen geschrieben. Minutiös können wir Koras Gedanken verfolgen, auch wenn ich sie nicht immer verstehen konnte.
Ich konnte z.B. nicht nachvollziehen, warum sie Anselm so außen vor lässt und ihm so vieles verschweigt.

Interessant fand ich die immer wieder eingestreuten fünf Dinge und Fragen, z.B.
- fünf Dinge, die Anselm nicht von ihr weiß
- fünf Dinge, die Cora Angst machen
- fünf Fragen, die sie Anselm nie gestellt hat
- fünf Dinge, die Kora gerne früher gewusst hätte ...

Diese Fragestellungen bzw Erkenntnisse sind allesamt sehr tiefgründig und bringen auch die LeserInnen zum Nachdenken.

Ein weiterer Handlungsstrang ist das Verschwinden von Leonie, der Ehefrau ihres Bekannten Felix, mit dem sie vor Jahren bei einem Unwetter zusammen in einer Höhle gestrandet ist. Was mit Leonie geschehen ist, wird im Buch nicht aufgeklärt. Einerseits finde ich das unbefriedigend, andererseits passt es zu der Art von Buch, dass eben nicht alle Fragen beantwortet werden.

Ich mag es, dass der Roman sich leicht, melancholisch und unspektakulär entwickelt, allerdings war er über einige Strecken auch zäh.
Das Ende war sehr schön und befriedigend!