leise und tiefsinnig

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lesestoffinge Avatar

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Manchmal gibt es Romane, die man nicht „liest“, sondern die man mitdenkt. „Die Liebe, später ist so ein Roman.
Im Mittelpunkt steht Cora, Mitte fünfzig und verheiratet. Sie hat eine schwere Herzoperation überlebt. Diese schwere Operation hat nicht nur ihren Körper verändert, sondern ihr ganzes Leben ins Schwanken gebracht. Plötzlich ist nichts mehr selbstverständlich, weder der Job, noch ihre Ehe und sie selbst auch nicht.
Ihr Mann Anselm ist frisch in Rente gegangen. Er will endlich seinen Lebenstraum verwirklichen und auf dem gemeinsamen Grundstück in Köln einen Libellenteich anlegen. Während er sich voller Tatendrang in dieses Projekt stürzt, ist Cora innerlich zerrissen. Die beiden führen seit Jahren eine Wochenend-Ehe und nun stehen sie vor einem neuen Lebensabschnitt.
Zusätzlich bittet Felix, ein alter Bekannter, Cora um Hilfe bei der Suche nach seiner verschwundenen Ehefrau Leonie. Dabei trifft sie nicht nur ihre frühere Mentorin Gabriella wieder, sondern auch Menschen aus ihrer Vergangenheit: alte Freundinnen, ihren ehemaligen Partner Sascha und viele ungelöste Konflikte.
Der Roman wird überwiegend aus Coras Sicht erzählt und liest sich wie ein Gedankenstrom aus Erinnerungen, Zweifel und Selbstbefragungen. Die Zeit vor und nach der Operation macht ihr schmerzlich bewusst, wie schnell alles enden kann.
Das Cover passt wunderbar. Es ist in Ölfarben gehalten und zeigt eine junge Frau im Profil, die sich nach hinten umblickt. Ich finde das ist ein starkes Bild für das Zurückschauen, das Aufarbeiten von Vergangenem und die Frage, wer man heute ist.
„Die Liebe später“ ist ein leiser, tiefsinniger und stellenweise schwermütiger Roman. Wer eine spannende Handlung erwartet, wird enttäuscht sein. Wer sich jedoch auf innere Bewegungen, Lebensentwürfe und Neuanfänge einlassen möchte, wird viel finden, das nachklingt.