neu sortieren
Der Roman beschreibt das Gefühlsleben von Kora und Anselm, die sich beide an einem Wendepunkt in ihrem Leben befinden und sich erst selbst sortieren müssen, wie der nächste Abschnitt aussehen soll. Kora und Anselm sind seit über zwanzig Jahren verheiratet, Anselm tritt seine Pension an und möchte mit Renovierungsarbeiten und der Gartenumgestaltung seinen neuen Alltag füllen, gemeinsam mit Kora. Kora erholt sich noch von einer unerwarteten Herzoperation, fühlt sich plötzlich alt, wird aus ihrem Berufsleben gedrängt und kämpft stark mit ihrer Selbstfindung und was sie noch im Leben möchte. Zum Großteil erzählt Kora die Geschichte aus ihrer Sichtweise, Anselm ist zuerst lange Zeit still und unauffällig, bis auch er einen Ausbruch aus seinem Alltagstrott benötigt und vor allem durch einen Denkanstoß von Kora selbst seinen neuen Lebensabschnitt überdenkt. Der Schreibstil ist melancholisch, nachdenklich, vor allem Kora macht sich nach der OP viele Gedanken und beginnt auch ihr vorheriges Leben aufzuarbeiten. Ich empfinde Kora als ehrlich und authentisch, sie handelt oft unüberlegt, vielleicht auch voreilig, aber sie bleibt sich trotzdem selbst treu. Früher konnte sie dies noch nicht so gut, dadurch belasten sie auch einige Unstimmigkeiten und Negativerlebnisse noch bis heute, aber auch diese nimmt Kora endlich in Angriff, um einen Abschluss zu finden. Das Leben ist und bleibt ein Wandlungsprozess und in neuen Abschnitten muss man sich die Zeit nehmen, um sich selbst und das Zusammenleben mit anderen wieder neu zu überdenken und zu definieren, vor allem auch dies dann zu besprechen. Kora und Anselm haben zu Beginn wenig miteinander gesprochen, sie haben vermutet und angenommen, was der andere meinen wird oder von sich auf den Partner geschlossen, die Gesprächskultur hat sich am Ende deutlich gebessert. Es ist auch eine leichte positive Stimmung, eine Aufbruchsstimmung und eine Vorfreude auf etwas Neues, spürbar.