Nicht meins

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sonnenblumeberlin Avatar

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Die Ausgangslage hat mich eigentlich sofort angesprochen: Kora und Anselm sind seit über zwanzig Jahren verheiratet, doch nach Koras Herz-OP gerät alles ins Wanken: ihr Körper, ihr Job, ihre Ehe. Während Anselm in den Ruhestand starten und seinen Traum vom Libellenteich leben will, flüchtet Kora in einen Rechercheauftrag und in die Vergangenheit, auf der Suche nach dem, wer sie einmal war und wer sie noch sein kann.
Ich konnte Koras Zweifel, ihre depressive Stimmung und das Ringen um Freiheit grundsätzlich gut nachvollziehen. Aber ich bin leider nie richtig in die Geschichte reingekommen. Die Erzählweise ist sehr langsam und reflektierend, oft wirkten die Passagen wie endlose Gedankenschleifen. Ich habe mich durch viele Kapitel geschleppt, in der Hoffnung, dass noch mehr Handlung kommt.
Statt mit Kora mitzufühlen, habe ich mich irgendwann immer mehr auf Abstand wiedergefunden. Ihre Entscheidungen wirken oft impulsiv und wenig reflektiert im Umgang mit den Menschen um sie herum. Vor allem, dass sie die Sorgen anderer kaum an sich heranlässt, etwa bei dem Freund mit seiner verschwundenen Frau oder bei Gabriella, der es sichtbar schlecht geht, hat mich frustriert. Dadurch blieb bei mir weniger Verständnis übrig und mehr das Gefühl, dass sie sich in ihrer Suche nach sich selbst zu sehr von allem anderen abkoppelt.
Fazit: Ein Buch mit starkem Thema und nachvollziehbarem Ansatz, aber für mich zu viele Längen und eine Protagonistin, die eher genervt als berührt hat.