Sehr empfehlenswerter Coming-In-Age Roman

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Die Liebe, später ist mein erstes Buch von Gisa Klönne, aber sicherlich nicht mein letztes. Der Schreibstil, das Cover und nicht zuletzt Koras Geschichte haben mich sehr begeistert.
„Die eigentliche Kunst in der Liebe ist nicht der Anfang, sondern das gemeinsame Weitergehen.“ (Gisa Klönne)
Kora, 61, ist erfolgreiche Journalistin, seit über zwanzig Jahren lebt sie mit ihrem Mann Anselm in Köln, wo sie eine beliebte wöchentliche Radiosendung moderiert. Vor kurzem musste sie sich einer aufwändigen Herz-OP unterziehen. Nach monatelangem Ausfalls bekommt sie von der Redaktion einen Aufhebungsvertrag.
Mit 61 in Frührente? Das kann sie sich gar nicht vorstellen. Hinzu kommt, dass ihr Mann Anselm seit kurzem pensioniert ist. Die beiden hatten zwanzig Jahre lang eine Fernbeziehung, Anselm pendelte zwischen Köln und Berlin.
Wie soll das werden, wenn sie von morgens bis abends zusammen sind? Kora kann sich nicht mit dieser Vorstellung anfreunden. Sie will weg und beschließt spontan, nach München zu ihrer früheren Mentorin und guten Freundin Gabriella zu fahren, die ihren 85. Geburtstag feiert. Als sie auf dem Weg dahin der Hilferuf ihres Bekannten Felix erreicht, legt sie spontan einen Zwischenstopp bei ihm ein.
Felix‘ Frau Leonie wird vermisst. Er bittet Kora, ihn bei der Suche nach Leonie zu unterstützen. Sie denkt darüber nach, ob Leonie nicht freiwillig gegangen ist, vielleicht war sie mit Felix doch nicht so glücklich wie dieser behauptet. Und warum haben die beiden keine Kinder?
Das Thema Kinder ist Koras wunder Punkt. Sie denkt an Sascha, mit dem sie vor Anselm in Berlin zusammengelebt hatte, an die schönen Zeiten und an das unschöne Ende. „Vielleicht waren Anselm und sie einfach müde, als sie sich begegnet sind, matt von der Leidenschaft, dem Verliebtsein, Verlassen und Verlassenwerden früherer Beziehungen.“ (S. 62)
Über Koras Krankheit und die Rekonvaleszenz lesen wir in den als „Orionzeit“ betitelten Kapiteln.
Die „Fünf …“, die alle paar Seiten auftauchen, haben mich zum Nachdenken gebracht.
„Fünf Nachteile einer langjährigen Liebe: … Man vergisst, das nichts jemals so bleibt, wie es gerade ist. Der andere nicht. Man selbst nicht. Das Leben.“ (S. 187)
„Fünf Dinge, die Kora gerne früher gewusst hätte: … Dass man nichts festhalten kann, niemals, weil Leben Veränderung ist, unaufhaltsam.“ (S. 223)
Ich habe mich in Die Liebe, später oft wiedererkannt. Ich bin nur etwas jünger als Kora und mein Mann wird auch bald in Rente gehen. Das wird eine Umstellung, da er beruflich immer viel unterwegs war.
Das Buch ist perfekt für alle, die am Ende ihres Berufslebens stehen und/oder in langjährigen Beziehungen leben. Anselms Traum ist ein Schwimmteich, an dem er seine geliebten Libellen beobachten kann. Sein Nachbar möchte als Rentner mit einem Wohnmobil die Welt bereisen. Beide Träume sind nicht mit denen ihrer Ehefrauen kompatibel.
Das Ende ist hoffnungsvoll, endlich kommt es zur lange fälligen Aussprache und Kora erfährt, wie Anselm die Zeit ihrer Krankheit und das Ende ihrer Fernbeziehung erlebt hatte.
Ich habe den Coming-In-Age Roman - wie die Autorin ihr Buch bezeichnet - sehr gern gelesen, es ist nicht nur eine wunderschöne Liebesgeschichte, sondern ein nahezu philosophisches Werk, das mich zum Nachdenken über meine Beziehung und die Liebe gebracht hatte, ich empfehle es gerne weiter.