Spätes Un-Glück

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westeraccum Avatar

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Bisher kannte ich von Gisa Klönne nur einige Krimis, die vor vielen Jahren gelesen habe. Sie hat sich inzwischen aber der ernsten Literatur zugewandt und das ist gut so.
In diesem teilweise autobiografischen Buch erzählt sie von Anselm und Kora. Kora ist nach einer schweren Herzoperation auf dem Weg der Genesung, aber alles fühlt sich für sie irgendwie fremd an, ohne dass sie genau sagen kann, warum das so ist. Sie muss sich nicht nur an das Leben mit Medikamenten gewöhnen, sondern auch an Anselm, der in Rente gegangen ist und nach zwanzig Jahren Wochenendehe nun immer bei ihr in Köln lebt und große Pläne für das gemeinsame Haus hat. Kora sträubt sich gegen diese Pläne, sucht erst einmal das Weite und fährt zu ihrer Mentorin Gabriella nach München. In den folgenden Wochen entfernen sich Anselm und Kora immer weiter voneinander. Hat ihre Ehe noch eine Chance?
Immer wieder ist der Erzählfluss durch Fragen unterbrochen, die Kora sich stellt, und durch Berichte über die "Orionzeit" im Krankenhaus.
Das Buch ist so nahe an der Realität, wie ein fiktives Buch nur sein kann. Probleme des Älterwerdens werden eindringlich thematisiert, sich daran gewöhnen, dass man im Beruf nicht mehr gebraucht wird, verpasste Chancen werden betrauert und verarbeitet. Dazu ist das Buch wunderbar geschrieben, sensibel, manchmal melancholisch, von einer großen Leichtigkeit und zugleich tiefsinnig. Ich finde es einfach perfekt!