Wenn leise Töne die lauteste Wirkung erzielen.

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5 Dinge, die mir an diesem Buch gefallen:

Die poetische Sprache: Sätze wie „Am schönsten tanzte er mit den Augen“ ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch und machen das Lesen zu einem ästhetischen Genuss.

Koras Entwicklung: Aus der interessanten Frau der ersten Seiten wird eine tiefgründige Identifikationsfigur, deren Mut zur Veränderung beeindruckt.

Das Beziehungsgeflecht: Die anfängliche Skepsis gegenüber den männlichen Figuren (Ehemann vs. Felix) löst sich in einer komplexen, realistischen Dynamik auf.

Die stilistische Führung: Die Autorin behält ihre besondere Stilistik bei und führt den Leser sicher durch die emotionalen Schichten der Geschichte.

Die Antworten auf das „Ungewisse“: Das Buch löst die Fragen, die nach der Leseprobe offen waren, auf eine Weise, die weder klischeehaft noch vorhersehbar ist.

Nach der vielversprechenden Leseprobe hat mich Gisa Klönne sprachlich voll abgeholt. Ihr Stil ist poetisch und intensiv. Inhaltlich bin ich jedoch hin- und hergerissen. Während mir die Figur der Leonie als Spiegelbild von Koras eigenem Drang nach Freiheit gut gefiel, ließ mich ihr endgültiger Verbleib ratlos zurück.

Noch schwerer fiel mir jedoch der Glaube an das plötzliche Abtauchen von Koras Ehemann. Dass zwei Menschen nach einer jahrzehntelangen Ehe so völlig ohne Wissen über den Aufenthaltsort oder das Erleben des anderen agieren, wirkte auf mich sehr konstruiert. Hier verliert die Geschichte leider an Bodenhaftung. Wer den Fokus jedoch auf die meisterhafte Sprache und die inneren Monologe legt, wird diesen Roman dennoch schätzen. Ein Buch der leisen Töne, das zum Nachdenken anregt, mich aber mit einigen Fragezeichen entlässt.

Vielen Dank an Vorablesen für das Leseexemplar!