Zwischen Herzklappe und Herzensfragen

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Gisa Klönne überrascht mit „Die Liebe, später“ durch einen stillen, feinfühligen Roman, der ganz anders klingt als ihre mir bekannten Krimis.

Schon das Cover – die Frau in bunten Farben, das feine, fast melancholische Foto – weckt das Gefühl, dass hier etwas Zartes, Nachdenkliches auf den Leser wartet. Und genau so ist es: Klönne schlägt sanfte, aber eindringliche Töne an, die lange nachhallen.

Im Mittelpunkt stehen Kora und Anselm, ein Paar an der Schwelle zum neuen Lebensabschnitt. Kora, fast 60, frisch ausgestattet mit einer neuen Herzklappe, arbeitet eigentlich noch voller Energie beim Radio in Köln. Ihr Partner Anselm dagegen hat sich in den Ruhestand zurückgezogen und träumt von Teichen und Libellen. Dieses Nebeneinander von Aufbruch und Stillstand, Aktivität und Rückzug, lässt den Roman unaufgeregt, aber reich an Zwischentönen schillern.
Klönne erzählt in Fragmenten und Abschnitten – das passt perfekt zum Thema des Innehaltens, der Selbstbefragung, der Frage: Was bleibt ungesagt, wenn das Leben zur Ruhe kommt? Besonders gelungen ist, dass die Geschichte von Felix und Leonie eine zweite Ebene eröffnet.
Während Kora versucht, Leonies spurloses Verschwinden journalistisch aufzuklären, entsteht eine dichte Verbindung zwischen Neubeginn, Abschied und der Suche nach Sinn – sowohl im Leben als auch in der Liebe.

Ganz wunderbar sind die poetischen Zwischentöne, die feine Beobachtungsgabe, die kleinen ironischen Momente, wenn es ums Älterwerden geht.

Der Roman zeigt, dass man sich mit sechzig noch längst nicht „alt“ fühlt – und dass auch diese Lebensphase voller Neugier, Trotz und Humor steckt. Nur hin und wieder gerät die Erzählung etwas zu gedehnt, manche Passagen verlieren sich im Nachdenken, anstatt die Handlung voranzutreiben. Dafür entschädigt aber die Präzision der Sprache: leise, fast musikalisch, tief durchdacht.
„Die Liebe, später“ ist kein Buch, das laut auftritt – aber eines, das nachwirkt. Ein Roman über zweite Chancen, Nähe und den Mut, sich selbst neu zu erfinden.