Ein herrlicher „Gummistiefel-Neuanfang“ mit Herz und Kante

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juanla Avatar

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In ihrem Roman „Die Liebe trägt Gummistiefel“ (Lakeland Love, Band 2) ist Alexandra Zöbeli ein kleines Meisterwerk des Wohlfühl-Genres gelungen, das weit über eine klassische Romanze hinausgeht. Die Geschichte beginnt mit einem fulminanten Bruch: Die erfolgreiche Londoner Investmentbankerin Tess Campbell flieht nach einem Burnout und einer beunruhigenden Gesundheitsdiagnose aus ihrem kühlen, durchgetakteten Leben in die raue Einsamkeit des Lake District. Doch statt der erhofften Stille erwartet sie dort das pure Chaos einer Farm, während ihre hochschwangere Freundin Fran plötzlich ihre Hilfe dringender benötigt als je zuvor.
Was diesen Roman so besonders macht, ist die meisterhafte Kontrastwirkung. Alexandra Zöbeli stellt die sterile, oft unbarmherzige Atmosphäre der Londoner Finanzwelt der wilden, heilenden Natur Cumbrias gegenüber. Tess verfällt dabei nie in das Klischee der hilflosen Städterin. Es ist erfrischend zu lesen, wie sie ihre analytische Brillanz nutzt, um eine kriselnde Existenz zu sanieren, während sie gleichzeitig im Matsch ein Kalb rettet oder das charmante Ausbrecher-Alpaka Louis bändigen muss.
Das emotionale Herzstück der Erzählung ist die sich wunderbar behutsam entwickelnde Liebe zwischen Tess und dem Bergretter Gregg. Was als vorsichtiges Vortasten und humorvolle Stichelei beginnt, entwickelt sich zu einem „Slow Burn“ voller Intensität. Gregg verkörpert den perfekten „Gentleman in Gummistiefeln“: Er ist ein Fels in der Brandung, der Tess nicht einfach nur „retten“ will, sondern ihr den Raum gibt, nach den Schlägen ihrer Vergangenheit wieder zu sich selbst zu finden. Die Chemie zwischen der kontrollierten Städterin und dem tiefenentspannten Naturburschen ist in jedem Augenblick spürbar, besonders in den leisen Momenten am Ullswater-See.
Doch diese Liebe wird auf eine harte Probe gestellt, als die Schatten von Tess’ Vergangenheit und ihre gesundheitlichen Sorgen das junge Glück einzuholen drohen. Hier beweist die Autorin einen bemerkenswerten Tiefgang: Sie thematisiert einfühlsam Fragen nach Resilienz, Selbstbestimmung und Verlustangst. Der Lake District fungiert dabei als aktiver Mitspieler, dessen bildhaft beschriebene Atmosphäre den Heilungsprozess der Protagonistin spürbar unterstützt. Die Geschichte gipfelt in einem Finale, das mit klassischen Konventionen bricht und Tess’ neugewonnene Stärke eindrucksvoll unterstreicht.
Fazit:
„Die Liebe trägt Gummistiefel“ beweist, dass man manchmal erst tief im Matsch versinken muss, um festen Boden unter den Füßen zu finden. Ein absolutes Muss für Fans von Jenny Colgan oder Julie Caplin, die „Herz mit Hirn“ und eine große Portion britische Atmosphäre suchen. Ein emotionaler Pageturner, der zeigt: Das große Glück wartet oft dort, wo man es am wenigsten erwartet – mitten im Schlamm, umgeben von Alpakas und echter Liebe.