Abgesang auf die Macht: Bitter, klug und rasant

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melina.kl Avatar

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Karine Tuil wirft uns mit „Die Liebeshungrigen“ mitten in das toxische Fahrwasser der Pariser Elite. Wer einen romantischen Roman erwartet, wird (positiv) überrascht: Das Buch ist eine messerscharfe Gesellschaftsstudie über den „Phantomschmerz“ verlorener Macht.
Der Schreibstil ist temporeich und fast schon grausam präzise. Die Art, wie Tuil das Innenleben eines Mannes seziert, der einst über Frankreich herrschte und nun um einen Platz auf der Bestsellerliste zittert, ist ebenso entlarvend wie faszinierend. Man spürt den Zynismus und die Einsamkeit, die Lehman umgeben – ein Protagonist, der nicht unbedingt sympathisch ist, dessen narzisstische Kränkung man aber fast physisch miterlebt.
Besonders stark ist die Schilderung der Talkshow-Atmosphäre. Hier prallen politische Ideale, mediale Gier und persönliche Abgründe aufeinander. Tuil zeigt ungeschminkt, wie schnell aus „Staatsmännern“ mediale Produkte mit Verfallsdatum werden.
Mein Fazit:
Ein packender, intellektueller Pageturner für alle, die hinter die Kulissen von Macht und Politik blicken wollen. Karine Tuil schreibt mit einer analytischen Schärfe, die an die großen französischen Realisten erinnert, aber modern und unheimlich aktuell wirkt. Ein Buch über den Hunger – nicht nur nach Liebe, sondern vor allem nach Anerkennung. Sehr lesenswert!