Trügerischer Glanz und der tiefe Fall.

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
fönbo Avatar

Von

Karine Tuils Roman beginnt direkt mit einer schonungslosen Bestandsaufnahme eines Lebens im medialen Rampenlicht.

Dan Lehman, ein ehemaliger französischer Präsident, ist ein Jahr nach seinem Abschied vom Élysée-Palast nur noch ein Schatten seiner selbst.

Die Atmosphäre der Leseprobe ist von Anfang an kühl, fast analytisch und dabei unglaublich intensiv. Es ist faszinierend und erschreckend zugleich, wie tief der Fall eines einst so mächtigen Mannes dargestellt wird. Dan flüchtet sich in den Alkohol, während seine Ehe mit einer erfolgreichen Schauspielerin längst zur hohlen Fassade verkommen ist. Der Kontrast zwischen seinem beruflichen Ruin und dem glanzvollen Aufstieg seiner Frau in Cannes wird meisterhaft herausgearbeitet.

Der bissige und kluge Ton der Autorin verleiht der Geschichte eine ganz eigene, fast opernhafte Dynamik.

Der Text seziert die zerstörerischen Mechanismen der Medienwelt, die keinen Raum für echte Gefühle lassen. Obwohl Dan kein klassischer Sympathieträger ist, hat mich seine psychologische Tiefe sofort in den Bann gezogen. Die Schilderungen des Glamours wirken bei ihr nie billig, sondern entlarven die Leere, die sich dahinter verbirgt.

Es ist dieser schonungslose Blick auf Macht und Liebe, der die Neugier auf das gesamte Buch weckt.

Der Schreibstil ist direkt, ohne unnötige Schnörkel, was die Melancholie der Situation nur noch verstärkt.

Ein absolut fesselnder Einstieg, der noch lange im Gedächtnis bleibt und Lust auf mehr macht.