Abhängigkeit und Macht

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
brianna Avatar

Von

Das Cover zum Buch " Die Liebeshungrigen " zeigt eine Frau, die ihr Gesicht hinter ihrer mit Ringen geschmückten Hand versteckt, neben einem Mann, dessen markantes Gesicht nur hälfig und unterhalb seiner Augen sichtbar ist. Der schwarze Hintergrund scheint rissig, wie bei einer älteren Photographie.

Dan Lehmann, Ex-Präsident, ist Alkoholiker und kein Menschenfreund. Der Hauptprotagonist im neuesten Roman der Autorin Karine Tuil wirkt sehr unsympathisch, suhlt sich in Selbstmitleid und scheint sich aufgegeben zu haben.

Seine deutsche Frau Hilda dagegen hat endlich ihren großen Erfolg, alle reden über sie. Und genau das ist in der heutige Zeit mit Social Media, den Medien allgemein, schon fast wichtiger als reich und schön zu sein. Es bedeutet Macht.

Macht, die ihm abhanden gekommen ist, ebenso wie die Liebe zwischen ihnen.
Wenn es sie denn je gab?
Oder war es nur die Anziehung, die ihn veranlaßte, seine vorherige Frau zu verlassen, die ihm immer loyal zur Seite stand, ihn liebte und ihn unterstützte?

Marianne, nun befreit, wenngleich (von ihr) ungewollt, schafft es, mit ihrem neuen Buch über einen Femizid zu begeistern.
Die Verfilmung steht bevor, der Regisseur ist zwar ein Künstler, zugleich aber auch ein Arschloch, der keinerlei Respekt vor Frauen zeigt. Auch er unsicher, da sein Werk häufig nicht verstanden wird.

Ihre jüngste Tochter verliebt sich in ihn, ebenso wie das Bodydouble für ihre Hauptfigur zuvor und auch ihre Nochfolgerin an Dan's Seite: Hilda.

Allem liegt also die Sehnsucht nach Liebe, und Sichtbarkeit zugrunde.


Der Schreibstil war zu Beginn ansprechend, leicht lesbar und spannend. Später wurde es dann eher zäh, die vielfältigen Themen häufig nur angerissen. Es fehlte an Tiefe, am Verständnis, die Nachvollziehbarkeit der Handlungen und Gedanken der Mitwirkenden verflog. Zudem war mir die Sprache häufig zu derb, vulgär.

Aus Machtverlust, -losigkeit, #meetoo, Patchwork-Familien, Erwachsenwerden, Filmkunst, Verlagswesen, Abhängigkeiten und Politik hätte man durchaus etwas machen können. Hier war es einfach nur zuviel (zusammengepreßt).

Für mich leider kein Höhepunkt in diesem (Lese-) Sommer.