Die Liebeshungrigen

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buecher.am.meer Avatar

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Mit „Die Liebeshungrigen“ wirft Karine Tuil einen faszinierenden Blick hinter die Kulissen von Politik, Medien und Kunstbetrieb. Im Mittelpunkt steht der ehemalige Präsident Dan Lehman, der ein Jahr nach dem Ende seiner Amtszeit mit dem Verlust von Macht, Einfluss und öffentlicher Aufmerksamkeit ringt, während seine Ehe längst nur noch eine Fassade ist.

„Er wollte glücklich sein, wollte Genuss und Befriedigung, wollte lieben und geliebt werden. Das war sein unwiderlegbares Recht, das ich ihm nicht streitig machen wollte, natürlich wollen Menschen ihr Leben intensiv auskosten. Aber kann man sein Glück wirklich auf dem Unglück eines anderen aufbauen?“

Diese Frage zieht sich für mich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman. Denn Karine Tuil erzählt nicht nur von Macht und öffentlicher Wahrnehmung, sondern vor allem von den Menschen dahinter: von Sehnsucht, verletzten Egos, unerfüllten Erwartungen und den Konsequenzen persönlicher Entscheidungen.

Besonders spannend fand ich die Einblicke in die politischen Mechanismen, die Welt der Medien und die Dynamiken innerhalb der Kunst- und Filmszene. Vor der glamourösen Kulisse des Filmfestivals von Cannes verschwimmen dabei immer wieder die Grenzen zwischen Inszenierung und Realität, zwischen öffentlichem Bild und privatem Scheitern. Der politische Teil des Romans hat mich stellenweise sogar ein wenig an die französische Version von „House of Cards“ erinnert – weniger durch die Handlung selbst als durch die Darstellung von Macht, Eitelkeiten und strategischen Beziehungen.

Erzählt wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven, wodurch sich nach und nach ein vielschichtiges Bild der Figuren ergibt. Besonders eindrücklich waren für mich die Kapitel aus Sicht von Hilda, Dan Lehmans Ehefrau beziehungsweise Ex-Frau. Ihre Gedanken, Verletzungen und Beobachtungen haben mich emotional am meisten erreicht und der Geschichte eine zusätzliche Tiefe verliehen.

Je weiter die Geschichte voranschritt, desto weniger interessierte mich die politische Karriere der Figuren – und desto mehr die Frage, wie Beziehungen unter dem Druck von Öffentlichkeit, Ehrgeiz und persönlichen Entscheidungen zerbrechen können.

Karine Tuil verbindet gesellschaftliche Themen mit psychologischer Präzision und zeichnet Figuren, die oft zwischen Sehnsucht, Selbstinszenierung und Selbsttäuschung gefangen sind. Dabei geht es nicht nur um Politik oder Prominenz, sondern letztlich um Liebe, Verlust, Identität und die Frage, wer wir sind, wenn die Rollen wegfallen, die wir nach außen spielen.

Vor einigen Jahren habe ich bereits „Diese eine Entscheidung“ von Karine Tuil gelesen – ein Roman, der für mich damals ein echtes Lesehighlight war. An diese Begeisterung reicht „Die Liebeshungrigen“ für mich zwar nicht ganz heran, dennoch hat mich das Buch mit seinen klugen Beobachtungen über Macht, Öffentlichkeit und zwischenmenschliche Beziehungen sehr beschäftigt.