Ein Fenster in eine unbekannte, kalte Welt der feinen Gesellschaft.

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monalisa7 Avatar

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Das Cover zeigt eine Frau und einen Mann, die sich sehr geheimnisvoll darstellen. Karine Tuil legt mit Die Liebeshungrigen einen ebenso eleganten wie schonungslosen Roman über Macht, Öffentlichkeit und emotionale Abhängigkeiten vor. Im Zentrum steht ein ehemaliger Präsident, dessen Leben nach dem politischen Höhepunkt zerfällt, sowohl beruflich wie auch privat. Parallel dazu entfaltet sich die Karriere seiner Frau, einer Schauspielerin, deren Erfolg im grellen Licht der Medienwelt steht.
Der Roman spielt mit der Frage: Was bleibt von einem Menschen, wenn Ruhm und Einfluss verschwinden? Die Autorin zeigt eine Welt, in der Beziehungen oft Schablonen einer Inszenierung sind. Ehe als eine Fassade. Besonders stark ist die Verknüpfung von Politik, Filmindustrie und Medienöffentlichkeit, die ineinander verschwimmen und Realität wie Fiktion ununterscheidbar machen.
Tuil schreibt präzise und sehr kühl. Ihre Figuren sind keine Sympathieträger im klassischen Sinne – vielmehr seziert sie ihre Schwächen, Eitelkeiten und Abhängigkeiten mit fast analytischer Schärfe. Das erzeugt Distanz, aber auch eine enorme gedankliche Tiefe.
Der oft zitierte Eindruck einer „modernen Oper“ passt gut: Viele Stimmen, viele Perspektiven, große Emotionen – aber immer unter Kontrolle gehalten.
Für mich persönlich eine fremde Welt, aber hab es gerne gelesen.