Ein Roman über Macht, Einsamkeit und weibliche Solidarität

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apfelmaus Avatar

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„Die Liebeshungrigen“ ist ein gutes, eindringliches Buch, das sich harten, aber absolut notwendigen Themen stellt. Im Zentrum steht Macht – ihr Missbrauch, ihre Verführbarkeit und ihre zerstörerische Kraft, die auch heute noch existiert, etwa in der Filmbranche. Besonders eindrucksvoll zeigt der Roman, dass Macht nicht nur andere verletzt, sondern auch einsam macht und die Selbstwahrnehmung verzerren kann. Selbstzentrierte Persönlichkeiten verlieren den Bezug zur Gemeinschaft und werden für ihr Umfeld schwer tragbar.

Karin Tuil schreibt klug, feinfühlig und mit großer Beobachtungsgabe. Ihr Stil ist durchzogen von Weisheit, Denkanstößen und Erkenntnissen, die noch lange nachwirken. Mich hat besonders berührt, wie stark die Solidarität unter Frauen dargestellt wird – Frauen, die zusammenhalten, sich gegenseitig stärken und einander glauben. Das ist nicht nur wichtig, sondern hochaktuell.

Die Entwicklung der weiblichen Figuren, ihre Selbstermächtigung und die feministische Perspektive sind überzeugend und glaubwürdig ausgearbeitet. Stellenweise hätte der Roman für meinen Geschmack etwas kürzer sein können, doch zugleich hatte ich das Gefühl: Manche Themen brauchen genau diese Zeit – man muss sie aushalten.

Das Ende ist schlüssig und rund. Ein Roman, der fordert, bewegt und nachhallt. Ich möchte definitiv mehr von dieser Autorin lesen.