Ein Schrei nach Aufmerksamkeit

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Die Liebeshungrigen“ ist kein Buch für zwischendurch. Wer „Relatability“ sucht, wird hier enttäuscht. Wenn man die ersten 100 Seiten geschafft hat und akzeptiert, dass man hier keine Freunde findet, sondern eine tragische Studie über den menschlichen Hunger nach Mehr und Liebe, entfaltet der Roman eine düstere Sogwirkung. Der Roman wechselt permanent zwischen den Akteuren. Alle haben eines gemein. Sie hatten oder haben sich im Erfolg gesonnt, sie können mit dem Schwinden der Aufmerksamkeit nicht umgehen. Im Mittelpunkt steht Dan, der als ehemaliger Präsident dem Alkohol verfallen ist und in der Öffentlichkeit keine Rolle mehr spielt. Bei jedem Schluck Alkohol wollte ich schreien "Mach es nicht!" und mit jedem Schluck Alkohol verschlimmert sich seine Lage.
Der Titel des Buches trifft es genau. Jeder ist hungrig nach Liebe, jedoch gegeben wird immer nur ein bisschen Aufmerksamkeit. Die Sexszenen sind mechanisch, fast animalisch. Tuil spielt hier auch mit dem Leser. Sie lockt dich mit einem Funken Menschlichkeit und Wärme an, nur um ihn im nächsten Satz im kalten Wasser der Realität zu ertränken. Sie lässt z.B. Dan kurz verletzlich wirken. Sobald du Mitgefühl entwickelst, lässt sie die Figur etwas unglaublich Egoistisches, Kaltes oder Feiges tun.
Als ich mich auf dieses Spiel eingelassen habe, hat der Roman viel Spaß gemacht und mich immer wieder darüber nachdenken lassen, welches Verhältnis ich zwischen Liebe, Aufmerksamkeit und Wärme benötige.