Glanz und Leere – über den Hunger nach Anerkennung in der französischen Elite

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jannehanne Avatar

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Was man gleich zu Beginn sagen muss: „Die Liebeshungrigen" ist eher Futter für den Intellekt als für die Seele. Es geht um männlichen Machtverlust und -missbrauch, den Bedeutungsverlust von Frauen mit zunehmendem Alter, den Weg weiblicher Emanzipation.
Der Roman startet sehr langsam mit der Reflexion des abgewählten französischen Ex-Präsidenten Dan Lehmann, der über seine Karriere philosophiert und seine innere Leere mit viel zu viel Alkohol zu betäuben versucht. Karine Tuil nimmt sich Zeit, bis alle Figuren platziert und in Beziehung zueinander ausgerichtet sind. Sind die Frauen zunächst eher ohnmächtig und stellen ihr eigenes Leben den Bedürfnissen der Männer unter, kommt es zunehmend zu einer Weiterentwicklung – und die Frauen ziehen an Lehmann vorbei.
Der Roman spielt in der Elite der französischen Politik und Kunst. Die Figuren sind überwiegend orientierungslos und eitel, was seinen Höhepunkt bei den Filmfestspielen in Cannes im letzten Drittel des Buches findet. Emotional konnten mich die Figuren wenig berühren – allein die Ex-Frau des Präsidenten war für mich etwas nahbarer und erlebbarer.
Es ist ein Roman, der intellektuell anregt und gesellschaftlich hochrelevant ist. Die Mechanismen in Politik und Filmbranche werden mit ihrer Doppelbödigkeit – insbesondere im Hinblick auf Frauen – wunderbar herausgearbeitet und bieten einiges an Diskussionsstoff. Wer Nahrung für den Kopf sucht, wird hier fündig. Wer jedoch ein emotional bewegendes Leseerlebnis erwartet, könnte enttäuscht werden.