Kaputt im Medienzirkus

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Was machen Macht und Öffentlichkeit aus der Liebe? Können private Beziehungen immer geschützt werden oder sind sie dem Druck und Zwang der Gesellschaft unterworfen?

Frankreichs Ex-Staatspräsident Dan, seine Ehefrau und Schauspielerin Hilda, Ex-Frau und Autorin Marianne, Regisseur Romain und Starlet Melanie hatten einst gute Absichten und träumten von Anerkennung, aber nun verkaufen sie ihre Seelen und Körper im Polit- und Medienzirkus. Zuneigung und Aufmerksamkeit scheinen in dieser Manege nur dem zuteil zu werden, der Profit verspricht. Was bleibt sind Einsamkeit, Gewalt, Drogen, Verzweiflung, Missbrauch und Taubheit. An der flirrenden Côte d'Azur beschließt Eine, nicht mehr mitzuspielen...

In "Die Liebeshungrigen" hat es der Leser wahrlich schwer. Keine Figur ist wirklich sympathisch, die Begegnungen untereinander toxisch und wenig zugänglich. Es soll um die Liebe gehen, dabei geht es vor allem um Selbstliebe. Das Ego schafft Leiden, sagen die Buddhisten, wenn Menschen an Identitäten, Rollenbildern, Materiellem und sich wiederholenden Gedanken festhalten. Nur was tun, wenn man bereits mittendrin in diesem verkorksten System steckt und sich bereits nicht mehr umkehrbare Folgen eines Lebens im Scheinwerferlicht zeigen?

Der Roman entwickelt durch verschiedene Erzählperspektiven und mal kurze, mal lange Sequenzen einen ganz eigenen Rhythmus. Jeder Figur wird eine unverwechselbare Sprache gegeben.

Karine Tuil ist Juristin. Mit einem scharfen Verstand, einer erbarmungslosen Beobachtungsgabe und vermutlich Insiderwissen analysiert sie aktuelle moralische Fragen. Den ein oder anderen echten Präsidenten oder Regisseur hat man sofort vor Augen.
Am Ende des Romans fragt man sich: Zu welchem Preis tut man sich das an?
Für mich eine harte Abrechnung, die nachhallt! Sehr empfehlenswert!