Langatmig und sehr politisch
In „Die Liebeshungrigen“, einem Gesellschaftsroman der französischen Autorin Karine Tuil, geht es um den ehemaligen Staatspräsidenten Dan Lehman. Nach einer missglückten Wiederwahl wirft ihn der Machtverlust völlig aus der Bahn. Weder seine junge Schauspielerfrau Hilda noch seine Tochter können das entstandene Loch füllen, nur Alkohol bringt Linderung.
Gleichzeitig geht es um seine Exfrau Marianne, die ein Buch schreibt, das verfilmt werden soll. Und wer bekommt die Hauptrolle? Hilda! So werden Politik und Filmbusiness miteinander verwoben und ihre jeweiligen Schattenseiten aufgezeigt.
Besonders erschreckt hat mich, wie sehr sich die Medien auf Menschen einschießen können und was das für Auswirkungen hat. Alkoholismus, Liebe, Antisemitismus, Feminismus, MeToo, Ageismus und Diskriminierung in verschiedenen Formen – all das greift die Autorin auf und verwebt es zu einem dichten Roman rund um Lehman und seine Familie.
Es ist ein klug erzähltes und fein beobachtetes Buch mit schweren Themen. Durchaus lesenswert, aber man braucht einen langen Atem. Der Anfang ist recht zäh und sehr politisch, ab etwa der Hälfte nimmt der Roman dann deutlich Fahrt auf.
Ich habe schon begeisterte Stimmen zum Buch gehört. Mir selbst (und so ähnlich ging es auch den meisten im Buchclub) war es allerdings etwas zu viel französische Politik und insgesamt etwas zu nüchtern erzählt