Liebe im Schatten der Macht

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Karine Tuils Die Liebeshungrigen ist ein Roman, der sich nur schwer auf ein einziges Thema reduzieren lässt. Politik, Medien, Liebe, Macht, Feminismus, öffentliche Wahrnehmung und schließlich auch #MeToo greifen ineinander wie Zahnräder einer Maschine, die unaufhaltsam auf ihre Figuren einwirkt. Wenn man dennoch einen gemeinsamen Nenner suchen müsste, dann wäre es wohl die Macht und die Frage, was sie mit Menschen macht.

Im Zentrum steht ein ehemaliger französischer Präsident, dessen große Zeit längst vorbei ist. Er klammert sich an seinen Einfluss, trinkt zu viel, schreibt mäßig erfolgreiche Bücher und begegnet seiner Umwelt mit einer Selbstverständlichkeit, die oft an Arroganz grenzt. Er ist keine Figur, die man mögen muss und gerade deshalb eine, die fasziniert.

Mindestens genauso interessant ist jedoch seine Ehefrau, die jahrelang alles für ihn aufgegeben hat und dabei immer mehr zur „Frau von …“ geworden ist. Als er sie schließlich für eine jüngere Frau verlässt, wird die private Krise zur öffentlichen Demütigung. Tuil zeigt eindrucksvoll, was es mit einem Menschen macht, wenn das eigene Leben plötzlich von Medien, öffentlicher Meinung und gesellschaftlichen Erwartungen bewertet wird.

Der Roman ist politisch, feministisch und angenehm bissig. Manchmal wollte Tuil aber für meinen Geschmack fast zu viel auf einmal erzählen: ein oder zwei Themen weniger hätten dem Roman gutgetan. Auch bleibt durch die vielen Perspektiven eine gewisse Distanz zu den Figuren bestehen.

Trotzdem hat mich das Buch sehr gepackt. Es ist klug, vielschichtig und wirft spannende Fragen über Liebe, Macht und Medien auf.