Spiele von Macht & Verlangen

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luisabella Avatar

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»Mit dir ist es so, als würde ich am Rand einer Klippe stehen. Die Aussicht ist herrlich, aber ich habe große Angst, abzustürzen.« Marianne zu Dan (146f)

In »DIE LIEBESHUNGRIGEN« zeigt die Juristin & Autorin Karine Tuil (übersetzt aus dem Französischen von Maja Ueberle-Pfaff & Alexandra Baisch) erneut, wie gut sie zwischenmenschliche Beziehungen und Machtdynamiken analysieren und sezieren kann und der Gesellschaft damit den Spiegel vorhält. Das Setting dieses Romans ist die Politik und Filmindustrie, in welchem Kontext verschiedene Themen wie Metoo-Bewegung, Machtverlust, Übergriffigkeit, Alkoholsucht, Liebe und Familie aufgegriffen.

Der Roman erzählt von Dan Lehmann (was für ein Wortspiel), der nach seiner Zeit als Staatspräsident von Frankreich im Macht-Vakuum ist. Er hat seine langjährige Ehefrau Marianne für eine deutlich jüngere Frau verlassen und diese neue Ehe steht ebenfalls vor dem Abgrund. Während seine Frau einen neuen beruflichen Durchbruch mit einem sehr umstrittenen Film feiert, ertränkt Dan seine Probleme im Alkohol, so lange, bis auch das nicht mehr funktioniert.

Der Roman wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt: Der von Dan, sowie seinen beiden (Ex-) Ehefrauen Marianne & Hilda, dem narzisstischen und extrem übergriffigen Regisseur. Die Perspektiven der beiden Frauen empfand ich am stärksten, während die Perspektive von Dan, der in Alkohol und Selbstmitleid versinkt, mich extrem genervt hat. Ich hätte mir hier mehr Tiefe gewünscht, aber vielleicht war genau das der Punkt, dass diese fehlt. Für die Länge des Romans (knapp 400 Seiten) empfand ich das Ende extrem zusammengestaucht und einige Erzählsprünge (z.B. um die beiden Töchter Anna & Leo) fand ich extrem verkürzt und hätte mir dafür weniger Längen in der ersten Hälfte gewünscht. Dadurch hat mich die Erzählung leider etwas verloren und an Schärfe eingebüßt. Auch die Problematik mit dem Alkoholismus von Dan wurde mir zu sehr vereinfacht und zum Ende schnell ‚gelöst‘.

»Er wollte glücklich sein, wollte Genuss und Befriedigung, wollte lieben und geliebt werden. Das war sein unwiderlegbares Recht, das ich ihm nicht streitig machen wollte, natürlich wollen Menschen ihr Leben intensiv auskosten. Aber kann man sein Glück wirklich auf dem Unglück eines anderen aufbauen?« (58)

Zusammenfassend ist es eine sehr gelungene Analyse von Macht, Machtspielen und zwischenmenschlichen Dynamiken, wie wir sie von der Autorin bereits aus vorherigen Roman kennen. Ich hätte mir mehr Tiefe - gerade zum Ende gewünscht und dafür weniger Ausschweifungen in der ersten Romanhälfte.