Wenn die Öffentlichkeit einen fallen lässt
Zunächst hat mich der Titel "Die Liebeshungrigen" etwas auf die falsche Spur geführt und ich war eingestimmt, dass die Autorin von großen Gefühlen der romantischen Liebe schreibt. Es geht aber vielmehr um die öffentliche Anerkennung, die damit verbundene Zuneigung und Überhöhung der eigenen Person und natürlich auch um Macht. Die fiktive Figur Dan Lehmann ist als ehemaliger französischer Staatspräsident nach nur einer Amtszeit krachend gescheitert und kaut an der Niederlage im politischen, privaten und öffentlichen Bereich. Es gelingt ihm nicht zu verstehen, dass er die Hoffnungen seiner Wähler enttäuscht hat und sie ihm den Verrat an der linken Politik vorwerfen. Er hat Probleme die Intrigen seiner eigenen Parteifreunde richtig einzuschätzen und -was fatal für ihn ist- leidet an einer grandiosen Selbstüberschätzung. Dies führt ihn dazu ein Buch zu schreiben, was seine Angriffsfläche nur vergrößert, und sich in verschiedene gerichtliche Auseinandersetzungen verwickeln zu lassen. Seine zweite Ehe mit der deutschen Schauspielerin Hilda ist am Ende. Einst Glamourpaar, jetzt nur eine einzige Enttäuschung, hängt er am Alkohol und an seiner geschiedenen Frau, mit der er drei gemeinsame Kinder hat und die ihm nach dem Aufkommen der Affäre mit der viel jüngeren Hilda mit der Trennung zuvorgekommen ist. Diametral zu seinem fulminanten Scheitern erklimmt seine Frau die Stufen des Erfolgs erneut, pikanterweise mit einem Film, dem das Buch seiner geschiedenen Frau zugrundeliegt. Zunächst kann man der Figur des Dan Lehmann wenig Sympathie entgegenbringen. Abgesehen von seiner zärtlichen Zuneigung zu seiner gehörlosen kleinen Tochter erkennt man wenig ansprechende positiven Seiten an dem versoffenen, leicht größenwahnsinnigen und manipulativen Typ. Das ändert sich bei der Lektüre des Romans, der aus verschiedenen Erzählperspektiven geschrieben ist, und zum Vorschein kommt immer stärker das eigentlich Thema des Romans, die Macht der Medien, die einerseits eine Person sehr aufbauen können, andererseits aber auch einen brutalen Absturz bewirken können. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich spreche definitiv eine klare Leseempfehlung aus.