Tief und schwingend wie die See
Die Leseprobe aus Stefan Kutzenbergers "Die Liste der Lebenden" hat mir eine Menge Titanic-Vibes gegeben :) Henriette Wulff, treibend auf einer Tür im weiten Ozean, in Gedanken Briefe verfassend an Hans Christian Andersen, dem sie wahrscheinlich nun nie wieder real begegnen wird, er wiederum Briefe an sie real schreibend, die sie nun wahrscheinlich nie erreichen werden, eine wirklich schöne Konstruktion in der Tradition des Briefromans, einen solchen habe ich auch lange nicht gelesen. Die Sprache schwingt sanft wie die Wellen, die Durchmischung mit den Märchenmotiven ist sehr gelungen. Die Situation der Frau im 19. Jahrhundert wird schon auf den wenigen Seiten sehr deutlich, wie nur sollte frau leben, wenn sie nicht der Konvention entsprach? Henriette ist ein im besten Sinne eigenartiger Charakter, ich würde sehr gern weiter lesen, was sie alles erlebt hat und wie sie in diese besondere Lage geraten ist. Und für Märchen und Andersen interessiere ich mich schon immer, gerne würde ich in dieses Szenario weiter eintauchen. Ich mochte auch das Cover sehr gern, das einerseits idyllisch wie ein Gemälde der Romantik ist, andererseits durchaus ein bisschen Schatten und Bedrohung in sich trägt. Ich rezensiere auf allen gängigen Seiten und Foren.