Eine wahrhaft faszinierende Konstruktion!

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mike nelson Avatar

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Eine wahrhaft faszinierende Konstruktion! In ein historisch verbrieftes Ereignis eine fantasierte Geschichte einfließen lassen - das gelingt dem Wiener Autor Stefan Kutzenberger mit bravour! Das Ereignis: Der Untergang des Schraubendampfschiffs "Austria" auf seiner Fahrt von Dänemark nach New York am 13. September 1858. Die Fantasie: Der imaginierte Briefwechsel der Passagierin Henriette Wulff mit dem Dichter Hans Christian Andersen. Das Szenario: Henriette treibt nackt auf einer Holztür nahe des untergegangenen Schiffes und schreibt in Gedanken Briefe an Andersen; dem möglichen Tod ins Auge blickend offenbart sie - auch sich selbst gegenüber - das bislang Ungesagte, reflektiert ihre Beziehung zu ihrem 'brüderlichen Freund', schildert den Ablauf des Untergangs, die erotische Begegnung mit dem Kapitän... Und vermutet, dass auch Andersen - zuhause am Schreibtisch sitzend - Briefe an sie, Henriette, formuliert. Aus Andersens Briefen spricht die Hoffnung auf ein Überleben Henriettes, aber auch die eigene Selbstoffenbarung - über sein Dichtersein und seine romantische Liebesfantasie. Der Autor beruft sich auf einen tatsächlichen Briefwechsel zwischen Wulff und Andersen; mir gefällt allerdings noch besser die Vorstellung, dass Henriette, auf dem Meer auf einer Holztüre dem Lebensende entgegentreibend, nicht nur ihre eigenen Briefe an Andersen in Gedanken formuliert hat, sonder auch Andersens Briefe an sie! So würde aus einer brieflichen Zwiesprache ein 'Innerer Monolog'. Sprachlich übrigens wunderbar umgesetzt.