H.C. Andersen, Henriette Wulf und die 'Austria'
Eine Frau treibt nackt auf einer Tür im Atlantik, sieht von ferne das rauchende Schiff, sieht Menschen, die sich auf der Bugspitze drängen und hoffen von einer französischen Bark gerettet zu werden. Auch die nackte Frau erlebt Glücksgefühle als sie die Barke sieht. Aber die Bark sieht sie nicht, denn das Meereswasser ist unendlich und sie ist nur ein Staubkorn in diesem Wasser.
Allein die Vorstellung, dass es so gewesen sein könnte. Der Autor Stefan Kutzenberger (ein österreichischer Autor, mehrfach ausgezeichnet für seine innovative Form der Schreibe) versetzt sich fiktiv in die Gedankenwelt der auf der Tür treibenden Henriette (Jette) Wulf, die sich in einem Dialog (gedanklich) mit ihrem Freund H.C. Andersen auseinandersetzt. Die beiden haben immer lange und intensive Briefe ausgetauscht und sie stellt sich vor, dass er auch jetzt – denn bestimmt hat er bereits von dem Unglück gehört – sich mit ihr und ihrer Rettung auseinandersetzt.
Tut er, denn er bekam die Liste der Lebenden, vier Menschen befanden sich auf 'Austria', die er kannte.Und er überlegte sich Konstellationen wer überlebt haben könnte. (Seine Jette natürlich schon). Es gibt sechs Möglichkeiten. Welche trifft zu. Er will es nicht wissen, obwohl es bereits bekannt ist. Er klammert sich an ihr Überleben, seine Jette soll überleben.
H.C. Andersen war echt, Henriette Wulf war echt, und die Katastrophe mit der 'Austria' am 13. September 1857 war echt. Verbrannt vor Neufundland, weil für die Landung fünf Tage später eine Desinfektion vorgesehen war. Voraussetzung für die Landung. Diese sollte durch eine Teerausräucherung passieren, die preisgünstigste Methode. Auf einem Dampfer aus Holz, was wunderbar brennt, wenn ein Funke übertritt.
Der Kontakt zwischen Andersen und Wulf war vorhanden. Der Rest ist Fiktion! Allerdings natürlich gut recherchiert.Doch die Dialoge (einseitig? Weil nur in der Vorstellung von Jette) sind höchst interessant zu lesen und erlaubt einen Blick auf das Seelenleben von Jette, einer emanzipierten und recht selbständigen Frau in ihrem besten Alter (53) des 19. Jahrhunderts.
Lediglich 89 Reisende (Passagiere und Besatzung) wurden gerettet, von der herbei eilenden Bark Maurice und dem Segelschiff Catarina. 456 Menschen verloren ihr Leben. Eines der schlimmsten Seekatastrophen zur Zeit der großen Auswanderungen nach Amerika. Wobei diese Auswanderungsschiffe sowieso schon berüchtigt waren für die schlechten Reisebedingungen. Dass ein großer Teil der Auswander:innen nicht lebending ihr Ziel erreichten, war damals üblich. Doch das große Unglück des HAPAG Dampfers aus Hamburg setzte Veränderungen in Gang (so wie jedes große Unglück das nach sich zieht).
Die Buchidee ist gelungen, denn obwohl der innige Kontakt zwischen dem berühmten Autor Andersen und Jette bekannt ist, wurde nie ein Buch über sie geschrieben. Und hier ist es! Endlich!
Allein die Vorstellung, dass es so gewesen sein könnte. Der Autor Stefan Kutzenberger (ein österreichischer Autor, mehrfach ausgezeichnet für seine innovative Form der Schreibe) versetzt sich fiktiv in die Gedankenwelt der auf der Tür treibenden Henriette (Jette) Wulf, die sich in einem Dialog (gedanklich) mit ihrem Freund H.C. Andersen auseinandersetzt. Die beiden haben immer lange und intensive Briefe ausgetauscht und sie stellt sich vor, dass er auch jetzt – denn bestimmt hat er bereits von dem Unglück gehört – sich mit ihr und ihrer Rettung auseinandersetzt.
Tut er, denn er bekam die Liste der Lebenden, vier Menschen befanden sich auf 'Austria', die er kannte.Und er überlegte sich Konstellationen wer überlebt haben könnte. (Seine Jette natürlich schon). Es gibt sechs Möglichkeiten. Welche trifft zu. Er will es nicht wissen, obwohl es bereits bekannt ist. Er klammert sich an ihr Überleben, seine Jette soll überleben.
H.C. Andersen war echt, Henriette Wulf war echt, und die Katastrophe mit der 'Austria' am 13. September 1857 war echt. Verbrannt vor Neufundland, weil für die Landung fünf Tage später eine Desinfektion vorgesehen war. Voraussetzung für die Landung. Diese sollte durch eine Teerausräucherung passieren, die preisgünstigste Methode. Auf einem Dampfer aus Holz, was wunderbar brennt, wenn ein Funke übertritt.
Der Kontakt zwischen Andersen und Wulf war vorhanden. Der Rest ist Fiktion! Allerdings natürlich gut recherchiert.Doch die Dialoge (einseitig? Weil nur in der Vorstellung von Jette) sind höchst interessant zu lesen und erlaubt einen Blick auf das Seelenleben von Jette, einer emanzipierten und recht selbständigen Frau in ihrem besten Alter (53) des 19. Jahrhunderts.
Lediglich 89 Reisende (Passagiere und Besatzung) wurden gerettet, von der herbei eilenden Bark Maurice und dem Segelschiff Catarina. 456 Menschen verloren ihr Leben. Eines der schlimmsten Seekatastrophen zur Zeit der großen Auswanderungen nach Amerika. Wobei diese Auswanderungsschiffe sowieso schon berüchtigt waren für die schlechten Reisebedingungen. Dass ein großer Teil der Auswander:innen nicht lebending ihr Ziel erreichten, war damals üblich. Doch das große Unglück des HAPAG Dampfers aus Hamburg setzte Veränderungen in Gang (so wie jedes große Unglück das nach sich zieht).
Die Buchidee ist gelungen, denn obwohl der innige Kontakt zwischen dem berühmten Autor Andersen und Jette bekannt ist, wurde nie ein Buch über sie geschrieben. Und hier ist es! Endlich!