Wenn Psychologie auf Thriller trifft
Verhaltenspsychologie finde ich unglaublich spannend, deshalb hatte mich „Die Lüge in ihrem Gesicht“ thematisch eigentlich sofort. Besonders interessant finde ich die Idee, einen Thriller mit Mikroexpressionen, Körpersprache und der Frage zu verbinden, wie gut wir andere Menschen wirklich lesen können. Schon die ersten Seiten haben mich direkt gecatcht, weil man sehr schnell mitten in einer bedrohlichen Situation landet und gleichzeitig viele Fragen offenbleiben. Danach fand ich vor allem Marlenes Vorlesung spannend, weil die psychologischen Aspekte nicht nur nebenbei erwähnt werden, sondern ein richtiger Bestandteil der Handlung sind. Der Schreibstil gefällt mir sehr gut, weil er spannend und atmosphärisch ist, sich aber trotzdem sehr flüssig liest. Gleichzeitig bekommt man bereits in der Leseprobe einiges über nonverbale Kommunikation und das Erkennen von Emotionen mit, ohne dass es sich wie ein Sachbuch anfühlt. Besonders reizvoll finde ich die Frage, wie zuverlässig wir Menschen tatsächlich beurteilen können und wie schnell wir vielleicht glauben, eine Wahrheit erkannt zu haben, obwohl uns noch entscheidender Kontext fehlt. Genau diese Grauzone zwischen Beobachtung, Interpretation und tatsächlicher Wahrheit macht das Thema für mich so interessant. Dazu kommt mit Marlene eine Protagonistin, die zwar extrem gut darin ist, andere zu lesen, selbst aber offenbar einige sehr persönliche Baustellen mit sich herumträgt. Ich möchte deshalb unbedingt wissen, wie sich ihre Expertise im weiteren Verlauf des Thrillers auswirkt – und ob sie am Ende wirklich immer erkennt, wenn jemand sie anlügt.