Der Preis der Wahrheit

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„Die Lüge in ihrem Gesicht“ erzählt von Marlene, eine schwierige, oft manische und obsessive Figur, geprägt von einer Kindheit, in der ihre Mutter sie belogen, manipuliert und körperlich verletzt hat. Diese frühen Erfahrungen erklären vieles an ihrem Verhalten – ihre Unruhe, ihre Härte, ihre Unfähigkeit Nähe auszuhalten.

Besonders eindrücklich ist die Szene im Hörsaal, in der sie einen Studenten vor allen Kommilitonen öffentlich einer Lüge bezichtigt – inszeniert als Demonstration ihres Könnens. Der Moment wirkt befremdlich und zeigt, wie sehr Marlene versucht, die Kontrolle zu behalten, auch wenn sie dabei Grenzen überschreitet.
Ihre Schwierigkeit im Umgang mit anderen ist kein Zufall, sondern eine direkte Folge alter Verletzungen aus der Kindheit.
Manchmal wirkt sie auf mich als hätte sie autistische Züge: hochfokussiert, sozial unbeholfen, und unfähig die Wirkung ihres Handelns auf andere einzuschätzen.

Was mich beim Lesen irritiert hat, ist ihre berufliche Entscheidung. Durch ihr Handeln ist ihre akademische Karriere zu Ende gegangen, und sie ist von der Uni geflogen. Diese Radikalität ist für mich schwer nachvollziehbar. Der Roman deutet an, dass es für sie eine existenzielle Suche ist, ein Versuch, endlich einen Sinn in den Lügen und Verletzungen ihrer Vergangenheit zu finden. Trotzdem wirkt ihr Schritt überzogen und lässt sie eher getrieben als konsequent erscheinen.

Ihre Beziehung zu Deniz Kurt, dem Ermittler in diesem Fall, ist mehr als ambivalent – sie schwankt zwischen vorsichtiger Nähe und tiefem Misstrauen, geprägt von all dem, was sie mit sich herumträgt.

Am Ende bleibt ein Roman, der durch seine dunkle Atmosphäre und komplexe Hauptfigur fesselt.

Mich hat die Geschichte gut unterhalten und ich habe sie zügig gelesen. Mein Anspruch an Belletristik ist gute Unterhaltung – nicht mehr und nicht weniger. Das Ende legt nahe, dass eine Serie folgen könnte; dieser würde ich allerdings nicht weiter nachgehen. Von mir bekommt der Roman solide 4,5 Sterne.