Die gnadenlose Jagd nach der Wahrheit
Alles sieht nach Notwehr aus, als ein Mann eine Frau bedrängt und sie sich seiner erwehren muss, auch die Überwachungskamera zeugt genau davon. Ein gezielt gesetzter Handkantenschlag knockt ihn aus, er ist tot. Die herbeigerufenen Beamten bitten sie mitzukommen, sie leistet keinen Widerstand.
Und nun sitzt sie hier, im Vernehmungsraum, und sagt kein Wort. Die Pflichtverteidigerin bringt Marlene Nielsen, eine international anerkannte Koryphäe für Mikroexpressionen, ins Spiel. Sie liest Gesichter. Jede kleinste Regung sagt ihr, was dahinter steckt. Für sie zählt nur die Wahrheit, Lügen kann sie nicht ertragen. Weder beruflich noch privat.
Hauptkommissar Deniz Kurt muss diese schweigsame Verdächtige ohne konkrete Beweise gehen lassen. Ein Vorsatz, geschweige denn Mord, kann ihr nicht nachgewiesen werden. Marlene aber durchschaut dieses stumme Spiel der Namenlosen, sie spürt, dass hier etwas nicht stimmt.
Fasziniert lese ich von den Basisemotionen, die wir nicht steuern können, die in einem Bruchteil einer Sekunde mehr über uns verrät, als wir preisgeben wollen. Mit diesem Wissen folge ich Marlene, die sich nicht täuschen lässt, deren geschultes Auge jede Regung in Gesichtern liest, dabei aber die Kontrolle über ihr weiteres Leben zu verlieren scheint.
Dieses Buch beginnt sehr stark. Wir sind hautnah dabei, als mit Sven Osterloh – so heißt dieser Tote – das Spiel zwischen Lüge und Wahrheit seinen Anfang nimmt. Bald aber merke ich, wie mir Marlenes Verbissenheit mehr und mehr auf die Nerven geht. Und auch, wenn sie der Wahrheit verpflichtet ist, so sind ihre Alleingänge doch sehr kritisch zu bewerten. Zwischendurch ploppt ihr Kindheitstrauma auf, die Jagd weitet sich von Hamburg über die Grenze nach Dänemark aus, dabei geht es zuweilen ziemlich gnadenlos zur Sache. Ohne Rücksicht auf Verluste.
Die Story ist spannend, keine Frage. Genau so aber gleitet sie ab ins Abstruse. Wenn alles buchstäblich in Flammen steht, rennt doch jeder um sein Leben – möchte man meinen. Neben hochgefährlichen Alleingängen hat es den Anschein von Selbstjustiz, von Schuldumkehr und mangelnder Selbsteinschätzung.
„Die Lüge in ihrem Gesicht“ hat mich im Buch gehalten, das schon. Anne Keßels Schreibstil fesselt, die Charaktere werden zunehmend unsympathisch, was der Story nicht schaden muss. Die Handlung kippt jedoch immer mehr ins Unglaubhafte, die Trennlinien zwischen Täter und Opfer werden unscharf, die Figur Marlene handelt in ihrer Sturheit eher wirr denn rational. Das Ende dann ist mir zu sanft, die Thrillerelemente bleiben hier auf der Strecke.
Und nun sitzt sie hier, im Vernehmungsraum, und sagt kein Wort. Die Pflichtverteidigerin bringt Marlene Nielsen, eine international anerkannte Koryphäe für Mikroexpressionen, ins Spiel. Sie liest Gesichter. Jede kleinste Regung sagt ihr, was dahinter steckt. Für sie zählt nur die Wahrheit, Lügen kann sie nicht ertragen. Weder beruflich noch privat.
Hauptkommissar Deniz Kurt muss diese schweigsame Verdächtige ohne konkrete Beweise gehen lassen. Ein Vorsatz, geschweige denn Mord, kann ihr nicht nachgewiesen werden. Marlene aber durchschaut dieses stumme Spiel der Namenlosen, sie spürt, dass hier etwas nicht stimmt.
Fasziniert lese ich von den Basisemotionen, die wir nicht steuern können, die in einem Bruchteil einer Sekunde mehr über uns verrät, als wir preisgeben wollen. Mit diesem Wissen folge ich Marlene, die sich nicht täuschen lässt, deren geschultes Auge jede Regung in Gesichtern liest, dabei aber die Kontrolle über ihr weiteres Leben zu verlieren scheint.
Dieses Buch beginnt sehr stark. Wir sind hautnah dabei, als mit Sven Osterloh – so heißt dieser Tote – das Spiel zwischen Lüge und Wahrheit seinen Anfang nimmt. Bald aber merke ich, wie mir Marlenes Verbissenheit mehr und mehr auf die Nerven geht. Und auch, wenn sie der Wahrheit verpflichtet ist, so sind ihre Alleingänge doch sehr kritisch zu bewerten. Zwischendurch ploppt ihr Kindheitstrauma auf, die Jagd weitet sich von Hamburg über die Grenze nach Dänemark aus, dabei geht es zuweilen ziemlich gnadenlos zur Sache. Ohne Rücksicht auf Verluste.
Die Story ist spannend, keine Frage. Genau so aber gleitet sie ab ins Abstruse. Wenn alles buchstäblich in Flammen steht, rennt doch jeder um sein Leben – möchte man meinen. Neben hochgefährlichen Alleingängen hat es den Anschein von Selbstjustiz, von Schuldumkehr und mangelnder Selbsteinschätzung.
„Die Lüge in ihrem Gesicht“ hat mich im Buch gehalten, das schon. Anne Keßels Schreibstil fesselt, die Charaktere werden zunehmend unsympathisch, was der Story nicht schaden muss. Die Handlung kippt jedoch immer mehr ins Unglaubhafte, die Trennlinien zwischen Täter und Opfer werden unscharf, die Figur Marlene handelt in ihrer Sturheit eher wirr denn rational. Das Ende dann ist mir zu sanft, die Thrillerelemente bleiben hier auf der Strecke.