Idee hat mich gepackt, Auflösung leider nicht
Bei Thrillern bin ich mittlerweile ein bisschen vorsichtig geworden. In letzter Zeit habe ich häufiger zu Büchern gegriffen, bei denen ich am Ende das Gefühl hatte, alles sei ein bisschen zu konstruiert und nach einem ähnlichen Schema aufgebaut. Umso mehr habe ich mich auf „Die Lüge in ihrem Gesicht“ gefreut. Auch wenn es am Ende nicht ganz für mehr als drei Sterne gereicht hat, war es definitiv ein gutes Leseerlebnis.
Die Geschichte liest sich unglaublich flüssig und stellenweise fast schon wie ein Film. Die Szenen sind bildhaft beschrieben, die Kapitel angenehm kurz und man fliegt wirklich ziemlich schnell durch die Seiten. Im Mittelpunkt steht Marlene Nielsen, eine Verhaltenspsychologin, die sich auf Mikroexpressionen spezialisiert hat. Gerade diese Thematik fand ich richtig interessant. Dieses Beobachten kleinster Gesichtsausdrücke und unbewusster Reaktionen gibt dem Thriller eine psychologische Ebene, die mir sehr gut gefallen hat. Es geht hier weniger um blutige Szenen oder permanente Schockmomente, sondern vielmehr um Manipulation, Wahrnehmung und die Frage, was man einem Menschen eigentlich ansehen kann und was eben nicht. Die Spannung wird dabei eher kontinuierlich aufgebaut. Es passiert immer wieder etwas, aber selten so viel auf einmal, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen kann. Für mich war es eher eine konstante, unterschwellige Spannung, die einen immer wieder weiterlesen lässt.
Mein größtes Problem war allerdings die Auflösung. Ich hatte relativ früh, ungefähr nach der Hälfte, eine ziemlich konkrete Vermutung, worauf das Ganze hinauslaufen könnte. Und leider hat sich diese Vermutung am Ende bestätigt. Dadurch war die große Auflösung für mich zwar durchaus heftig, aber eben nicht mehr wirklich überraschend. Und genau das ist für mich bei einem Thriller einfach ein kleiner Dämpfer. Ich möchte gerne miträtseln, falsche Fährten verfolgen und am Ende vielleicht komplett danebenliegen. Hier hatte ich irgendwann das Gefühl, dass ich den Großteil des Lügenkonstrukts bereits selbst zusammengesetzt hatte und nur noch darauf wartete, dass das Buch meine Vermutung bestätigt.
Marlene selbst fand ich übrigens nicht so unsympathisch, wie sie teilweise beschrieben wird. Ja, sie ist definitiv nicht die unkomplizierteste Person. Sie kann Grenzen überschreiten, verrennt sich ziemlich heftig in diesen Fall und riskiert dafür sogar ihre eigene Karriere. Aber ich konnte ihre Art trotzdem nachvollziehen. Im Laufe der Geschichte wird deutlich, dass sie selbst einiges mit sich herumträgt und ihre Vergangenheit ihre Persönlichkeit stark geprägt hat. Diese Härte und teilweise auch Besessenheit kamen für mich dadurch nicht völlig aus dem Nichts. Ich mochte außerdem, dass die Geschichte nicht einfach nur zwischen „Täterin“ und „Opfer“ unterscheidet. Gerade diese Grenzen verschwimmen zunehmend und genau daraus entsteht ein interessanter psychologischer Konflikt.
Was mich ebenfalls positiv überrascht hat: Es wird nicht unnötig blutig. Der Thriller funktioniert hauptsächlich über seine Figuren, die psychologische Ebene und das Geheimnis, das sich Stück für Stück auftut. Und das hat für mich grundsätzlich sehr gut funktioniert. Nur eben nicht lange genug als Geheimnis.
Denn obwohl ich irgendwann wusste, in welche Richtung es geht, wollte ich trotzdem weiterlesen. Und das rechne ich dem Buch hoch an. Ich war nicht gelangweilt und habe mich zu keiner Zeit durch die Seiten gequält. Ich wollte wissen, ob meine Vermutung tatsächlich stimmt und wie die Autorin das Ganze am Ende zusammenführt.
Für mich ist „Die Lüge in ihrem Gesicht“ deshalb ein solider, gut geschriebener psychologischer Thriller mit einer richtig interessanten Grundidee, bei dem für meinen Geschmack nur der Überraschungseffekt etwas zu früh verloren ging.
Wenn ihr nicht wahnsinnig viele Thriller lest oder normalerweise nicht schon nach der Hälfte sämtliche Möglichkeiten durchspielt, könnte das Buch für euch vermutlich deutlich mehr Überraschungen bereithalten. Ich glaube sogar, dass es für viele genau deshalb richtig gut funktionieren wird.
Trotzdem würde ich definitiv wieder zu einem Buch von Anne Keßel greifen. Der Schreibstil hat mir wirklich gut gefallen, die Idee rund um die Mikroexpressionen fand ich spannend und auch die Art, wie sich das Lügenkonstrukt entwickelt, hatte definitiv etwas.
Die Geschichte liest sich unglaublich flüssig und stellenweise fast schon wie ein Film. Die Szenen sind bildhaft beschrieben, die Kapitel angenehm kurz und man fliegt wirklich ziemlich schnell durch die Seiten. Im Mittelpunkt steht Marlene Nielsen, eine Verhaltenspsychologin, die sich auf Mikroexpressionen spezialisiert hat. Gerade diese Thematik fand ich richtig interessant. Dieses Beobachten kleinster Gesichtsausdrücke und unbewusster Reaktionen gibt dem Thriller eine psychologische Ebene, die mir sehr gut gefallen hat. Es geht hier weniger um blutige Szenen oder permanente Schockmomente, sondern vielmehr um Manipulation, Wahrnehmung und die Frage, was man einem Menschen eigentlich ansehen kann und was eben nicht. Die Spannung wird dabei eher kontinuierlich aufgebaut. Es passiert immer wieder etwas, aber selten so viel auf einmal, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen kann. Für mich war es eher eine konstante, unterschwellige Spannung, die einen immer wieder weiterlesen lässt.
Mein größtes Problem war allerdings die Auflösung. Ich hatte relativ früh, ungefähr nach der Hälfte, eine ziemlich konkrete Vermutung, worauf das Ganze hinauslaufen könnte. Und leider hat sich diese Vermutung am Ende bestätigt. Dadurch war die große Auflösung für mich zwar durchaus heftig, aber eben nicht mehr wirklich überraschend. Und genau das ist für mich bei einem Thriller einfach ein kleiner Dämpfer. Ich möchte gerne miträtseln, falsche Fährten verfolgen und am Ende vielleicht komplett danebenliegen. Hier hatte ich irgendwann das Gefühl, dass ich den Großteil des Lügenkonstrukts bereits selbst zusammengesetzt hatte und nur noch darauf wartete, dass das Buch meine Vermutung bestätigt.
Marlene selbst fand ich übrigens nicht so unsympathisch, wie sie teilweise beschrieben wird. Ja, sie ist definitiv nicht die unkomplizierteste Person. Sie kann Grenzen überschreiten, verrennt sich ziemlich heftig in diesen Fall und riskiert dafür sogar ihre eigene Karriere. Aber ich konnte ihre Art trotzdem nachvollziehen. Im Laufe der Geschichte wird deutlich, dass sie selbst einiges mit sich herumträgt und ihre Vergangenheit ihre Persönlichkeit stark geprägt hat. Diese Härte und teilweise auch Besessenheit kamen für mich dadurch nicht völlig aus dem Nichts. Ich mochte außerdem, dass die Geschichte nicht einfach nur zwischen „Täterin“ und „Opfer“ unterscheidet. Gerade diese Grenzen verschwimmen zunehmend und genau daraus entsteht ein interessanter psychologischer Konflikt.
Was mich ebenfalls positiv überrascht hat: Es wird nicht unnötig blutig. Der Thriller funktioniert hauptsächlich über seine Figuren, die psychologische Ebene und das Geheimnis, das sich Stück für Stück auftut. Und das hat für mich grundsätzlich sehr gut funktioniert. Nur eben nicht lange genug als Geheimnis.
Denn obwohl ich irgendwann wusste, in welche Richtung es geht, wollte ich trotzdem weiterlesen. Und das rechne ich dem Buch hoch an. Ich war nicht gelangweilt und habe mich zu keiner Zeit durch die Seiten gequält. Ich wollte wissen, ob meine Vermutung tatsächlich stimmt und wie die Autorin das Ganze am Ende zusammenführt.
Für mich ist „Die Lüge in ihrem Gesicht“ deshalb ein solider, gut geschriebener psychologischer Thriller mit einer richtig interessanten Grundidee, bei dem für meinen Geschmack nur der Überraschungseffekt etwas zu früh verloren ging.
Wenn ihr nicht wahnsinnig viele Thriller lest oder normalerweise nicht schon nach der Hälfte sämtliche Möglichkeiten durchspielt, könnte das Buch für euch vermutlich deutlich mehr Überraschungen bereithalten. Ich glaube sogar, dass es für viele genau deshalb richtig gut funktionieren wird.
Trotzdem würde ich definitiv wieder zu einem Buch von Anne Keßel greifen. Der Schreibstil hat mir wirklich gut gefallen, die Idee rund um die Mikroexpressionen fand ich spannend und auch die Art, wie sich das Lügenkonstrukt entwickelt, hatte definitiv etwas.