Spannendes Psychoduell
Marlene Nielsen ist Verhaltenspsychologin an der Universität Hamburg und eine absolute Expertin für Mikroexpressionen – sie liest selbst die kleinsten unwillkürlichen Regungen in den Gesichtern ihrer Mitmenschen wie ein offenes Buch. Als eine namenlose junge Frau nach einem angeblichen Tötungsdelikt in Notwehr von der Polizei freigesprochen wird, ohne ihre Identität preiszugeben, wird Marlenes Neugier geweckt. Erst recht, als die Unbekannte plötzlich auf der Beerdigung des Opfers auf dem Friedhof auftaucht. Marlene begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit und schlängelt sich gemeinsam mit Michel Osterhoff, dem Vater des Opfers, durch ein undurchsichtiges Geflecht aus Lügen, verdrängten Schuldgefühlen und inszenierten Vorfällen.
Der Einstieg in das Buch hat mich direkt gepackt. Die Grundidee rund um Marlenes Spezialgebiet der Mikroexpressionen und die psychologische Aufschlüsselung von Mimik und Gestik ist extrem faszinierend und bringt eine sehr eigene, dichte Atmosphäre mit sich.
Die Protagonistin Marlene Nielsen wirkt anfangs sehr klar und strukturiert. Später wirkt ihr Handeln jedoch übersprungsmäßig.
Im Mittelteil nimmt die Handlung dann allerdings Wendungen, die für mich immer skurriler und schwerer greifbar wurden. Die Suche nach der Wahrheit um die Notwehr-Situationen entwickelt sich von einem feinfühligen Psychothriller zunehmend zu einer rasanten und teils recht konstruierten Rachegeschichte. Gerade im letzten Drittel handelten mir die Figuren – allen voran Marlene selbst – stellenweise zu unvernünftig, wodurch die Handlung etwas an Glaubwürdigkeit einbüßte.
Fazit:
Trotz der etwas überzogenen Entwicklungen gegen Ende ist „Die Lüge in ihrem Gesicht“ von Anne Keßel ein handwerklich stark geschriebener und durchweg spannender Thriller mit einer unverbrauchten Protagonistin. Wer atmosphärische Psychothriller mag und über ein paar Wendungen im Finale hinwegsehen kann, wird hier hervorragend unterhalten. Solide 3 von 5 Sternen!
Der Einstieg in das Buch hat mich direkt gepackt. Die Grundidee rund um Marlenes Spezialgebiet der Mikroexpressionen und die psychologische Aufschlüsselung von Mimik und Gestik ist extrem faszinierend und bringt eine sehr eigene, dichte Atmosphäre mit sich.
Die Protagonistin Marlene Nielsen wirkt anfangs sehr klar und strukturiert. Später wirkt ihr Handeln jedoch übersprungsmäßig.
Im Mittelteil nimmt die Handlung dann allerdings Wendungen, die für mich immer skurriler und schwerer greifbar wurden. Die Suche nach der Wahrheit um die Notwehr-Situationen entwickelt sich von einem feinfühligen Psychothriller zunehmend zu einer rasanten und teils recht konstruierten Rachegeschichte. Gerade im letzten Drittel handelten mir die Figuren – allen voran Marlene selbst – stellenweise zu unvernünftig, wodurch die Handlung etwas an Glaubwürdigkeit einbüßte.
Fazit:
Trotz der etwas überzogenen Entwicklungen gegen Ende ist „Die Lüge in ihrem Gesicht“ von Anne Keßel ein handwerklich stark geschriebener und durchweg spannender Thriller mit einer unverbrauchten Protagonistin. Wer atmosphärische Psychothriller mag und über ein paar Wendungen im Finale hinwegsehen kann, wird hier hervorragend unterhalten. Solide 3 von 5 Sternen!