Was unser Gesicht über uns verrät
"Die Lüge in ihrem Gesicht" von Anne Keßel ist ein Ermittlungsthriller, der sich einem Thema widmet, das ich in dieser Form bisher noch nicht in einem Buch erlebt habe: Mikroexpressionen. Im Mittelpunkt steht die Verhaltenspsychologin Marlene Nielsen, die sich darauf spezialisiert hat, kleinste und meist unbewusste Regungen im Gesicht ihrer Gegenüber zu lesen.
Worum geht's?
Als eine Frau auf einer Polizeiwache sitzt, nachdem ein junger Mann durch ihre Hand gestorben ist, scheint der Fall zunächst relativ eindeutig. Die Zeugen sprechen von Notwehr. Doch Marlene ist überzeugt, dass mit der Frau etwas nicht stimmt. Sie erkennt, dass ihr Gegenüber gelernt hat, ihre verräterischen Regungen zu kontrollieren; bis die Frau erfährt, wer Marlene ist. Plötzlich zeigt sich doch eine Emotion: Furcht. Was folgt, ist ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen zwei Frauen, die beide ausgesprochen willensstark sind. Gleichzeitig verschiebt sich die Frage danach, wer hier eigentlich Täterin und wer Opfer ist, immer wieder.
Meine Meinung
Gerade dieser Ausgangspunkt hat mich sofort gepackt. Das Konzept der Mikroexpressionen fand ich ausgesprochen spannend, weil es dem Thriller einen psychologischen Ansatz gibt, der für mich neu war. Die Idee, dass sich selbst Menschen, die ihre Mimik bewusst kontrollieren, durch winzige unwillkürliche Regungen verraten könnten, ist ein faszinierender Ausgangspunkt für einen Thriller.
Besonders gut funktioniert für mich der Beginn des Hörbuchs. Die Ausgangssituation ist unmittelbar spannend und wirft viele Fragen auf. Wer ist diese Frau? Was ist tatsächlich passiert? Warum reagiert sie auf Marlene? Und vor allem: Was verbirgt sie? Keßel schafft es zunächst sehr gut, diese Fragen im Raum stehen zu lassen.
Dabei fand ich auch die Dynamik zwischen Marlene und der unbekannten Frau interessant. Beide wirken kontrolliert und entschlossen, und gerade dadurch entsteht eine besondere Spannung. Es ist kein klassisches Ermittlerinnen-Duo, sondern vielmehr ein psychologisches Kräftemessen, bei dem nie ganz klar ist, wer eigentlich wen durchschaut.
Gehört habe ich "Die Lüge in ihrem Gesicht" als Hörbuch, gesprochen von Verena Wolfien. Mit einer Laufzeit von 10 Stunden und 47 Minuten ist es ein Hörbuch, für das man durchaus etwas Zeit mitbringen muss, für mich hat das Format aber gut funktioniert und die Sprecherin einen tollen Job gemacht.
Was die Auflösung anbelangt, hat sich die immer mehr herauskristallisiert, aber ich war mir dann doch nie ganz sicher. Grundsätzlich ist das für mich erst einmal etwas Positives. Eine Thrillerauflösung muss für mich nicht vorhersehbar sein. Im Gegenteil: Wenn mich ein Buch auf eine andere Spur führt, kann das richtig gut funktionieren. Hier war ich allerdings etwas zwiegespalten. Einerseits finde ich das zugrunde liegende Motiv nachvollziehbar und die Konstruktion der Geschichte an sich durchaus klug. Andererseits gab es für mich einzelne Punkte, die nicht vollständig funktioniert haben. Trotzdem würde ich die Auflösung nicht einfach als misslungen bezeichnen. Dafür ist die Grundidee zu interessant und die Konstruktion insgesamt zu durchdacht.
Fazit
"Die Lüge in ihrem Gesicht" hat mich vor allem durch seine ungewöhnliche Ausgangsidee und den starken Einstieg überzeugt. Das Thema Mikroexpressionen fand ich ausgesprochen spannend und war für mich definitiv das Alleinstellungsmerkmal des Thrillers. Auch die Auflösung hat mich überrascht, weil ich selbst nicht darauf gekommen wäre. Ganz überzeugen konnte sie mich allerdings nicht. Obwohl ich das Motiv nachvollziehen kann und die Konstruktion grundsätzlich interessant finde, gab es für mich einige Stellen, die nicht ganz stimmig beziehungsweise nicht vollständig logisch wirkten. Trotzdem würde ich euch empfehlen, euch selbst ein Bild zu machen; gerade wenn ihr psychologische Thriller mögt und Lust auf ein ungewöhnliches Thema habt. Vielen Dank an NetGalley.de und Hörbuch Hamburg für das Rezensionsexemplar.
Worum geht's?
Als eine Frau auf einer Polizeiwache sitzt, nachdem ein junger Mann durch ihre Hand gestorben ist, scheint der Fall zunächst relativ eindeutig. Die Zeugen sprechen von Notwehr. Doch Marlene ist überzeugt, dass mit der Frau etwas nicht stimmt. Sie erkennt, dass ihr Gegenüber gelernt hat, ihre verräterischen Regungen zu kontrollieren; bis die Frau erfährt, wer Marlene ist. Plötzlich zeigt sich doch eine Emotion: Furcht. Was folgt, ist ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen zwei Frauen, die beide ausgesprochen willensstark sind. Gleichzeitig verschiebt sich die Frage danach, wer hier eigentlich Täterin und wer Opfer ist, immer wieder.
Meine Meinung
Gerade dieser Ausgangspunkt hat mich sofort gepackt. Das Konzept der Mikroexpressionen fand ich ausgesprochen spannend, weil es dem Thriller einen psychologischen Ansatz gibt, der für mich neu war. Die Idee, dass sich selbst Menschen, die ihre Mimik bewusst kontrollieren, durch winzige unwillkürliche Regungen verraten könnten, ist ein faszinierender Ausgangspunkt für einen Thriller.
Besonders gut funktioniert für mich der Beginn des Hörbuchs. Die Ausgangssituation ist unmittelbar spannend und wirft viele Fragen auf. Wer ist diese Frau? Was ist tatsächlich passiert? Warum reagiert sie auf Marlene? Und vor allem: Was verbirgt sie? Keßel schafft es zunächst sehr gut, diese Fragen im Raum stehen zu lassen.
Dabei fand ich auch die Dynamik zwischen Marlene und der unbekannten Frau interessant. Beide wirken kontrolliert und entschlossen, und gerade dadurch entsteht eine besondere Spannung. Es ist kein klassisches Ermittlerinnen-Duo, sondern vielmehr ein psychologisches Kräftemessen, bei dem nie ganz klar ist, wer eigentlich wen durchschaut.
Gehört habe ich "Die Lüge in ihrem Gesicht" als Hörbuch, gesprochen von Verena Wolfien. Mit einer Laufzeit von 10 Stunden und 47 Minuten ist es ein Hörbuch, für das man durchaus etwas Zeit mitbringen muss, für mich hat das Format aber gut funktioniert und die Sprecherin einen tollen Job gemacht.
Was die Auflösung anbelangt, hat sich die immer mehr herauskristallisiert, aber ich war mir dann doch nie ganz sicher. Grundsätzlich ist das für mich erst einmal etwas Positives. Eine Thrillerauflösung muss für mich nicht vorhersehbar sein. Im Gegenteil: Wenn mich ein Buch auf eine andere Spur führt, kann das richtig gut funktionieren. Hier war ich allerdings etwas zwiegespalten. Einerseits finde ich das zugrunde liegende Motiv nachvollziehbar und die Konstruktion der Geschichte an sich durchaus klug. Andererseits gab es für mich einzelne Punkte, die nicht vollständig funktioniert haben. Trotzdem würde ich die Auflösung nicht einfach als misslungen bezeichnen. Dafür ist die Grundidee zu interessant und die Konstruktion insgesamt zu durchdacht.
Fazit
"Die Lüge in ihrem Gesicht" hat mich vor allem durch seine ungewöhnliche Ausgangsidee und den starken Einstieg überzeugt. Das Thema Mikroexpressionen fand ich ausgesprochen spannend und war für mich definitiv das Alleinstellungsmerkmal des Thrillers. Auch die Auflösung hat mich überrascht, weil ich selbst nicht darauf gekommen wäre. Ganz überzeugen konnte sie mich allerdings nicht. Obwohl ich das Motiv nachvollziehen kann und die Konstruktion grundsätzlich interessant finde, gab es für mich einige Stellen, die nicht ganz stimmig beziehungsweise nicht vollständig logisch wirkten. Trotzdem würde ich euch empfehlen, euch selbst ein Bild zu machen; gerade wenn ihr psychologische Thriller mögt und Lust auf ein ungewöhnliches Thema habt. Vielen Dank an NetGalley.de und Hörbuch Hamburg für das Rezensionsexemplar.