Das Leben im Zeitraffer

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Mit Maggie, seiner großen Liebe, hatte Wilbur Budd die Zeit seines Lebens. Ihre Flitterwochen in Venedig im August 1974 krönten ihr Glück. Damals ahnte der Buchhändler noch nicht, dass sie ihn verlassen wird. 52 Jahre später, im Alter von mehr als 80 Jahren und im Moment seines Todes, erwartet ihn der Mitternachtszug, um mit Wilbur eine unglaubliche Reise in die Vergangenheit zu unternehmen…

„Die Mitternachtsreise“ ist ein Roman von Matt Haig. Er ist keine Fortsetzung von „Die Mitternachtsbibliothek“ im eigentlichen Sinne, ist aber im Kosmos des Bestsellers verortet.

Erzählt wird die Geschichte in knapp 100 kurzen Kapiteln. Sie beginnt mit einer Art Prolog. Dabei umspannt die Handlung viele Jahrzehnte. Immer wieder gibt es Zeitsprünge.

Auf der inhaltlichen Ebene widmet sich der Roman erneut den existenziellen Fragen. Wie in „Die Mitternachtsbibliothek“ stellt sich insbesondere eine: Wie hätte das Leben anders verlaufen können? Diesmal geht es aber vor allem um zweite Chancen, falsche Prioritäten und das, was man im Alter bereut. Zwar sind Botschaften wie die, dass Erfolg alleine nicht glücklich macht, nicht neu. Dennoch schafft es der Autor zum wiederholten Mal, zum Nachdenken anzuregen.

Auf den etwas mehr als 300 Seiten ist die Geschichte zugleich kurzweilig und unterhaltsam. Dabei enthält sie auch immer wieder bewegende Szenen.

Wie bei den früheren Romanen des Autors, beinhaltet die Geschichte fantastische Elemente, dystopische Anteile und magischen Realismus. Der Mitternachtszug kann sowohl wörtlich als auch als sinnige Metapher verstanden werden.

Die Sprache ist zwar nicht spektakulär, aber angenehm unaufgeregt und wunderbar anschaulich. Die eingestreuten Briefe lockern den Text auf. Gut gefallen haben mir auch die unaufdringlichen Referenzen auf Literatur, Musik und Film.

Das hübsche, deutsche Hardcover ist aufwendig und mit Liebe gestaltet, zum Beispiel mit im Dunklen leuchtenden Details. Der Titel ist ans englischsprachige Original („The Midnight Train“) angelehnt, aber nicht wortwörtlich übersetzt.

Mein Fazit:
Mit „Die Mitternachtsreise“ ist Matt Haig wieder einmal ein tiefgründiger, warmherziger und berührender Roman gelungen, der meinen Erwartungen in Gänze gerecht geworden ist. Ein Lesehighlight 2026!