Ein guter Plot reicht nicht aus

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„Die Mitternachtsreise“ von Matt Haig erzählt die Geschichte von Wilbur, der nach einem unerwarteten Telefonat mit seiner Exfrau Maggie verstirbt. Gesundheitlich angeschlagen, wird ihm dieses Gespräch wohl zu viel. Doch statt im Himmel landet er im Mitternachtszug. Begleitet wird er dort von Agnes Bagdale, einer Buchhändlerin, die seinen beruflichen Lebensweg entscheidend beeinflusst hat.
Der Zug hält an wichtigen Stationen seines Lebens, und Wilbur kann diese Momente erneut betreten und miterleben. Nach einem für mich nicht ganz nachvollziehbaren System sind die Aufenthalte mal kürzer, mal länger. Einer dieser Stopps zeigt etwa die erste Begegnung zwischen Maggie und Wilbur.
Nebenbei erfahren wir mehr über Wilburs Bruder Dougie, einen schwierigen Charakter, der früh stirbt, sowie über das angespannte und lieblose Verhältnis zu seiner Mutter.
Im Verlauf der Geschichte versucht Wilbur zunehmend, Kontakt zu sich selbst aufzunehmen und Einfluss auf sein Leben zu nehmen. Während der Hochzeitsreise – nachdem Maggie und Wilbur nach Jahren wieder zusammengefunden haben – bleibt er bei seinem schlafenden, lebenden Ich zurück. Mit diesem „Träumer“ kann er kommunizieren und nimmt ihn schließlich mit in den Zug. Von da an beobachten zwei Wilburs gemeinsam den lebenden Wilbur.
Das für mich vorhersehbare Ende möchte ich nicht vorwegnehmen.

Das Buch besteht aus vielen kurzen Kapiteln mit willkürlichen Überschriften. Die Sätze sind eher kurz und gut lesbar.

Abgesehen davon, dass mir der gesamte Ton des Buches zu schnulzig und zuckrig war („Sie lachte, verliebter denn je“), konnte ich mit den Figuren nicht warm werden. Wilbur wirkte auf mich sehr ichbezogen, wenig souverän und wenig mutig. Dass er im Zug plötzlich so viele Chancen ergreifen soll, erschien mir konstruiert.
Auch Maggie blieb für mich unklar. Bei der späteren Hochzeit wird sie als gestandene Frau beschrieben, die in London einen attraktiven Job hatte, verhält sich auf der Hochzeitsreise dann aber wieder fast mädchenhaft-kichernd. Jahre später wartet sie gelangweilt im großen Haus auf ihren Mann. Insgesamt blieb für mich offen, was sie eigentlich an Wilbur gefunden hat, warum sie ihn vermisst und schließlich heiratet.

Einen Satz habe ich mir markiert, weil ich ihn tatsächlich interessant fand:
„Der lineare Verlauf des Lebens ist ein Problem …“
Diesen Gedanken kenne ich selbst – den Wunsch, dem jüngeren Ich rückblickend Wissen oder Erfahrungen mitgeben zu können.
Einige Sätze später heißt es, ein Sonnenuntergang sei deshalb betörend, „weil er uns zeigt, dass jeder Tag irgendwann in die Nacht versinken wird“. Spätestens da war ich wieder raus.

Und dann der Schlusssatz: „Lassen wir es einfach auf uns zukommen.“
Das soll die tiefgründige Erkenntnis eines Buches sein, in dem ein Toter massiv versucht, Einfluss auf sein eigenes Leben zu nehmen? Für mich passte das überhaupt nicht zusammen.
Für Fans von Matt Haig sicher ein Muss, für Erstleser vielleicht fesselnd; für mich, die nun schon mehrere seiner Bücher gelesen hat, fehlt die Entwicklung seines Werkes. Das ist mir zu gleichförmig.
Am Ende sind es für mich knapp drei Sterne.